Selbstverwirklichungsfetischistensau?
Der Titel der fünften Wiener Pollesch-Arbeit klingt gut, hat mit dem Stück aber weder inhaltlich noch formal etwas zu tun. «Peking Opel» handelt nicht von der Krise bei General Motors, sondern von der Krise des Dramas, und Pollesch bedient sich dafür nicht etwa altehrwürdiger asiatischer Theaterformen, sondern greift abermals auf den Hollywood-Fundus und aktuelle Theorie zurück.
Auf der Leseliste standen diesmal Giorgio Agamben («Profanierungen»), Jean-Luc Nancy («Singulär plural sein») und Klaus Theweleit («Objektwahl»); die Personenkonstellation hat Pollesch aus Ernst Lubitschs Komödie «Serenade zu dritt» (1933) übernommen. Der Plot: Gilda bildet mit dem Maler George und dem Dramatiker Tom einen platonischen Dreier – und heiratet den Werbefachmann Plunkett. Bei Pollesch sind George und Tom zwei Hörspielmacher, deren größter Erfolg eine Radiopantomime (!) namens «Die stille Stunde» ist. Devise: «Wir werden verstanden, aber man hört uns nicht» – alles klar? Die Szene, in der Martin Wuttke (als Tom) die schlechte Pantomime seiner Kollegen am Vibraphon (!) begleitet, zählt übrigens zu den Höhepunkten des Abends.
In den Hauptrollen sind ausschließlich erfahrene Pollesch-Spieler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Diesmal ist es anders. In der Nacht, in der er ihn kennen lernt, flüchtet Patrick vor Jirka – Hals über Kopf, wie sie sich vor wenigen Stunden ineinander verliebt hatten beim Yoga. Er schleicht sich aus Jirkas Bett in der Panik, dass es diesmal der Richtige ist. Noch in derselben Zürcher Winternacht betäubt sich Jirka,
der zugesehen und nur so getan hat, als...
Der Kassandra-Spruch war noch im April gefallen. Hortensia Völckers, die Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hatte ihn auf der Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen auf die Frage nach der (nicht zuletzt finanziellen) Zukunft des Festivals verkündet: «Der Faden ist gerissen.» Wer noch rätselte, ob die Verbindung zwischen Theater und Gesellschaft im...
Das Match begann mit einem scharfen Aufschlag von Dirk Baecker ins konkrete Allgemeine der Kunsttheorie. Kunst unterbreche die Automatismen der Alltags-Wahrnehmung und mache sie dadurch frag- und diskussionswürdig. Die Gesellschaft brauche Kunst genau da, wo sie das Mitfließen des Menschen in den Strukturen der Gesellschaft anhält: «Die Kunst, wenn sie so unterwegs...
