Selbstschutzlämmer und Selbstbetrugsschweine
Sie stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Auch wenn die wegbricht, tut sich für die vom Leben gelangweilte und vom Tod verschmähte Gesellschaft keine Weite und Perspektive auf: Hinter der Wand kommt noch eine Wand, und man weiß, das geht so weiter, ohne Ausweg. Manchmal kleben die Figuren förmlich an dem nur oberflächlich noblen Bretterverhau, als ob auch morsches Holz magnetisch wirken könnte; dann kauern sie in verkrampften, unnatürlichen Stellungen. Aufrecht zwar, aber in Wirklichkeit blickt man auf sie herab, wie sie im freien Fall aus der Ordnung wegkippen.
Dabei sind Wirklicheit und Ordnung das Letzte, was Georg Schmiedleitner in seiner Inszenierung von Tschechows «Platonow» am Nürnberger Theater diesen Figuren gönnt. Der Bankrott hat sich auf der öden Spielfläche (Bühne: Florian Parbs) flächendeckend ausgebreitet und ist längst auch in die Seelen der verzweifelt glücklosen Glücksfanatiker gekrochen. Sie haben ihr Geld und ihre Ideale verloren,
verscherbelt und versoffen, jetzt warten sie untätig und um Erlösung plappernd nurmehr auf den großen Knall. Der wird sich als Verpuffung herausstellen, und in der Realität werden die Bankrotteure weiter dahinvegetieren, als wär alles ...
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Da sieht man gleich, wo man ist: Weite, sommerhelle Bühne mit einer Reihe freundlicher Bodyguards dezent im Hintergrund; vorne planscht ein renitentes Kind im Pool und wird von einer gefährlich geduldigen Gouvernante bespaßt; rechts posen zwei todchice Frauen, die Dunkle im Chanel-Kostüm, die Blonde auch nicht schlecht. Jetzt müsste noch Jackie Onassis mit einem...
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und...
