Selbstfolter
Nicht mit einer Verhaftung, mit einem Experiment beginnt Kafkas Roman auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele, mit einem Experiment der Selbstfolterung. Josef K. setzt sich freiwillig der euphemistisch Waterboarding genannten Foltermethode simulierten Ertrinkens aus. Freiwillig geht er am Ende wieder auf das Folterbrett und schnallt sich fest, wie der Offizier am Ende von Kafkas Erzählung «In der Strafkolonie».
Waterboarding, eine in vielen Kriegen von vielen verwendete Methode zur Erpressung von Informationen, steht seit der Rechtfertigung durch Präsident Bush und der folgenden Debatte in den USA für die moralische Selbstkorrumpierung des Westens in der Auseinandersetzung mit dem Islamismus. Der tunesische Regisseur Fahel Jaibi mit der Erfahrung einer antidiktatorischen Revolution, die in islamistischer Herrschaft zu enden droht, scheint der richtige Mann zu sein, um Kafkas «Prozess» politisch zu deuten.
Freiwilliges Waterboarding als Rahmen für den «Prozess» – eine Interpretationshypothese. Josef K. findet weder das Gesetz noch sein Urteil, weil er selbst Teil des Systems ist. Ihm mangelt es einfach an Selbsterkenntnis. Er weiß nicht, dass er nicht nur Opfer, sondern auch Täter ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Gerhard Preußer
Es war sein erfolgreichstes Drama und sein größter Misserfolg zugleich: «Die schmutzigen Hände», Jean-Paul Sartres Stück über einen politischen Auftragsmord, hat sich am Abend der Uraufführung 1948 in Paris verselbständigt – und alle Versuche des Autors, es wieder einzufangen, zeigten sich wenig effektiv. Publikum und Kritik feierten das Stück als...
Der Ausdruck «das Handtuch werfen» stammt aus dem Boxsport. Ein Boxer wirft das Handtuch, wenn er von den Schlägen des Gegners dermaßen demoralisiert ist, dass er keine Chance mehr sieht, das Match zu gewinnen. Die Metapher lässt sich auf den Fall des Düsseldorfer Intendanten nur bedingt übertragen – die offizielle Diagnose lautet ja: «Burnout» –, und doch fragt...
Die Liebenden sind austauschbar. (…) Die Reduktion der Person zum Liebespartner scheint mir das charakteristischste Merkmal dieses grausamen Traums zu sein. Und vielleicht das modernste Merkmal. Der Partner trägt keinen Namen mehr, er besitzt nicht mal mehr ein Gesicht. Er ist nur am nächsten.»
Seit Jan Kotts berühmt hellsichtiger «Sommernachtstraum»-Deutung aus...
