Schweben auf der Blase
Es zeugt von hartnäckigem Sendungsbewusstsein und einem Hauch Heroismus, wenn das seit mittlerweile 30 Jahren von der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) ausgerichtete Festival «Politik im Freien Theater» bei seiner 10. Ausgabe in München unter dem Motto «reich» antritt.
Koproduzent Matthias Lilienthal und sein Kurator und Festivalprogramm-Mitjuror Christoph Gurk von den Münchner Kammerspielen knüpfen damit an die «Shabbyshabby»-Anfänge ihrer umkämpften und nun schon ins letzte Drittel gehenden Amtszeit an und wollen noch einmal Unterschiede und Ausschlussmechanismen in den Fokus rücken, die im schicken München womöglich unverstellter ins Auge fallen als anderswo.
Zusammen mit Milena Mushak (bpb) und Sophie Becker, Leiterin des Spielart-Festivals und hier auch als Vertreterin des dritten Koproduzenten Spielmotor e.V. beteiligt, hat man einen Spielplan aus 14 Produktionen und ein überbordendes Rahmenprogramm zusammengestellt, das formal vielgestaltig, multiperspektivisch und -lingual daherkommt, im Laufe der elf durchweg gut besuchten Festivaltage aber auch mal wieder das Dilemma didaktisch in Anspruch genommener Kunst deutlich werden lässt. Denn dass Theater hier als ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Festivals, Seite 50
von Silvia Stammen
Burkhard C. Kosminski macht gerne Hausbesuche. Schon ein gutes Dutzend Mal war der Schauspielintendant seit Amtsantritt zu Gast bei Stuttgartern. Kosminski hört gerne zu, und er redet gerne. Jeder kann ihn einladen. Einzige Bedingungen: 8–20 Leute. Essen und Trinken. Und es wird nicht über vormalige Stuttgarter Intendanten geschimpft.
Überhaupt wirkt der «Neue»...
Neues von der Alterskriminalität: 2017 ließ Dirk Laucke ein betagtes Pärchen «Bambule im Herbst» veranstalten, Einbruch und Entführung inklusive. 2018 verhökern nun zwei alternde Damen in Svenja Viola Bungartens Stück «Tot sind wir nicht» rezeptpflichtige Medikamente auf dem Schwarzmarkt. Mit dem Geld wollen sie nach Japan durchbrennen. Pikantes Detail: Eigentlich...
Sollte man nicht auf die Popularität rechtsextremer Parteien in Deutschland in den Spielplänen der öffentlichen Theater reagieren? Sollte man nicht an Zeit und Umstände des aufkommenden Nationalsozialismus in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern? Und was wäre dafür geeigneter als beispielsweise eine Bühnenfassung von Luchino Viscontis...
