Russische Lektionen
Beginnen wir mit der Suche nach Veränderung. Revolutionen seien die Lokomotiven der Geschichte, meinte Karl Marx. Klingt nicht nach einem gemütlichen Betriebsausflug, weist aber eindeutig nach vorne ins Bessere. Wie sich der historische Antrieb der russischen Revolution für die freiwilligen wie unfreiwilligen Fahrgäste anfühlt, hat Andrej Platonov beschrieben: Eine «Wanderung mit offenem Herzen» nennt er seinen Weg nach «Tschewengur», ein utopisches Steppendorf des vollendeten Kommunismus’, den am Ende keiner der Reisenden überlebt.
Der Roman und sein Autor sind klassische Beispiele der Selbstzerstörung einer großen Idee. Die zerrissene, sprunghafte Handlung folgt mehreren Figuren auf verflochtenen Reise- und Lebenswegen aus Armut und Hunger in der russischen Provinz vor dem Ersten Weltkrieg über den Bürgerkrieg in die frühen 20er Jahre. Die offenen Herzen voll Naivität und Revolutionseifer retten sich mit glühendem Idealismus und geringem Überblick aus aberwitzigen Situationen, um in einem angeblichen Kommunismus der egoistischen Inkompetenzbürokratie, der lähmenden Faulheit, verstümmelter Sprache und des Gremienwahns zu enden. Dabei bleibt ihre revolutionäre Begeisterung ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
Zu Beginn der 1950er Jahre hatte der Zweite Weltkrieg Migrationswellen aus Osteuropa und der UdSSR in Richtung Deutschland gespült. Sie waren im gerade erwachenden Wirtschaftswunderland alles andere als gerne gesehen. Wer Flüchtling war, wurde ausgegrenzt. In einer immer schon migrantisch geprägten Weltmetropole wie New York hätte das, als zur gleichen Zeit durch...
Ende der Vorstellung» und «Wenn der Vorhang fällt»: Unter diesen Titeln firmierten Margarita Broichs Schauspielerporträts im Salzburger Museum der Moderne 2009 und zwei Jahre später im Berliner Martin-Gropius-Bau. Zu den Ausstellungen gab es unter den nämlichen Überschriften im Salzburger Salzmann/Müry- und im Berliner Alexander-Verlag opulente Kataloge mit klugen...
Eigentlich wollte er ja nur mal eine Weile rumhängen, gar nichts machen, dieses vermutliche Alter Ego von Falk Richter, das da auf dem Laufsteg in der Schaubühne kauert. Rumhängen in der neuen Wohnung, Serien gucken, im Internet surfen. Und dann sind sie über ihn hergefallen, die «True Detectives» mit ihrer schwarzen, schwarzen Weltsicht, die er so gruselig...
