Rundfunkgebühr: Der Marsch auf die Institutionen
Im schönsten alpinen Hochtal der Schweiz, im Engadin, hört man im Zug, wie weit der Schutz der Minderheiten gehen kann. Die Haltestellen der Rhätischen Bahn werden nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Rätoromanisch angesagt, Letzteres in verschiedenen Regiolekten. «Fermada sin Dümonda» oder «sin Dumanda»: «Halt auf Verlangen» einmal in Scuol und einmal ab Brail Richtung St. Moritz. Immerhin: Die Sprecherin bleibt dieselbe.
Minderheitenschutz und Traditionspflege sind so teuer wie hochwertiges Schienenmaterial und Pünktlichkeit.
Sie gehören in der Schweiz zur Infrastruktur wie Schulen und schöne Straßen. Das Bewusstsein für öffentliche Institutionen ist in der Schweiz auch deshalb hoch, weil sie der Mehrsprachigkeit Rechnung tragen. Der größte Laden, der diese Idee des heterogenen Kleinstaats im Kern verkörpert, ist die SRG, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft mit knapp 6000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 1,6 Milliarden Franken. Zwei Drittel des Geldes stammen von Gebühren, der Rest war Werbung.
Dieser demokratische Konsens steht auf dem Spiel. Es geht um einen neoliberalen Marsch auf die Institutitionen, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat. Am 4. ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Tobi Müller
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
US-Präsidenten verstehen sich als Interventionisten. John F. Kennedy war da keine Ausnahme und verstärkte, obwohl nur zwei Jahre im Amt, die Truppenpräsenz der US-Army in Vietnam. Der 35. US-Präsident steht für den schleichenden Beginn des verheerenden Indochina-Kriegs, obwohl er als US-Senator in Vietnam war und hellsichtig analysierte, warum die Weltmacht...
Aua, das tut doch weh! Florentina Holzinger steht in ihrer jüngsten Arbeit «Apollon» nackt an der Rampe und haut sich mit dem Hammer einen acht Zentimeter langen Nagel in die Nase. Ihre Kollegin Evelyn Frantti, ebenfalls nackt, schiebt sich einen beunruhigend langen Luftballon in den Schlund, der durch den Körper zu wandern scheint. Sie zieht die leere Hülle aus...
