Riminis Mimesis
Rimini Protokoll erfindet Theater neu, so könnte man beginnen, wenn man eingeladen ist, als Experte ein großes Lob auf die Preisträger der 32. Mülheimer Theatertage anzustimmen. Und in der Einladung von Experten und ihrer Einbindung in den Rimini-Kontext sind sie erfahren. So versucht der Experte, den Widerspruch aufzulösen, dass «Das Kapital, Erster Band» von Helgard Haug und Daniel Wetzel einen Dramatiker- und keinen Inszenierungspreis gewonnen hat. Mit vier Anmerkungen zur Bestimmung des «Kapital» versuche ich, dieser Aufgabe zu entsprechen.
I.
Brecht, ein Autor, der bekannt war für den gekonnten Diebstahl, machte die Unterscheidung von Schauspieler und Rolle zur Grundlegung seines epischen Theaters. Weil die Welt eine zu verändernde ist, muss sie als eine veränderbare dargestellt werden. Ein einfacher Satz mit einer weitreichenden Wirkung und vielen Zumutungen für den Zuschauer. Denn der wurde sich durch diese Vorführung der zahlreichen ästhetisch-ethischen Widersprüche zwischen dargestellter Welt und realer Welt, zwischen realer Welt und idealer Welt, zwischen Herren und Knechten und zwischen Spieler und Rolle, eines neuen, für ihn drastischen Widerspruchs bewusst: Er musste ...
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Freiburg ist wieder wer. Zumindest in der deutschen Theaterlandschaft. Nach dem Neustart mit Amélie Niermeyer, deren Kreativität und Kraft zuletzt immer unübersehbarer in einem überhitzten Haushaltsstreit mit der Stadtverwaltung verschlissen wurden, hat Intendantin Barbara Mundel in ihrer ersten Spielzeit den Spagat zwischen Kunst und Politik gemeistert: Ihr Haus...
Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum...
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne. Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard...
