Revolutionäres Denken heute
Koalitionsstänkereien, Eurokrisen-News, Herdprämienhäme: Eigentlich rumort ja zurzeit an sämtlichen Kanzlerinnen-Baustellen zumindest ein kleiner Widerstandsgeist. Aber: Es gibt Abhilfe. Irgend jemand sollte Angela Merkel schlichtweg mal einen Theaterbesuch ans Herz legen! Mit Volker Lösch am Schauspiel Stuttgart und Jan Lauwers am Burgtheater Wien haben sich gleich zwei Regisseure von Albert Camus inspirieren lassen, gleichsam den modernen Menschen in der Revolte zu durchleuchten.
Beide sind zu dem beruhigenden Ergebnis gekommen, dass aus der Kulturkonsu-menten-Ecke bis auf Weiteres keinerlei systemrelevante Opposition zu befürchten ist.
Im Gegenteil: Den Teilnehmer/innen von Volker Löschs schwäbischem Occupy-Camp könnte zumindest Joachim Gauck jederzeit besten Gewissens einen Orden ans Revers heften. «Die Gerechten» – Camus’ sozialrevolutionäre Terror-Zelle, die sich nach historischem Vorbild von 1905 mit der Frage herumschlägt, inwiefern system-immanente Missstände Bomben– würfe auf Großfürsten rechtfertigen – mutiert bei Lösch mehrheitlich zu einer engagierten Bürgerinitiative ohne jede Gewaltneigung. Denn wie immer benutzt der Stuttgarter Hausregisseur die dramatische ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Christine Wahl
Oh, schau mal, wie süß», geht ein Raunen durchs Publikum. Die Lichtinseln der Kamera-Displays beginnen hellblau zu leuchten. Auf die Bühne tapsen drei siebenjährige Haselmäuse und lauschen unterm Papp-Haselnussbaum einigermaßen orientierungslos den vorproduzierten Märchen-Erzählstimmen aus dem Off. Total süß, wie sie das mit dem Tanz noch nicht so richtig auf die...
Andreas Wilink Die Ruhrtriennale ist ein Festival ohne Krawattenzwang. Besitzen Sie eigentlich eine Krawatte?
Heiner Goebbels Nein, ich habe immer wieder erfolglos Anläufe gemacht – ich glaube, zur Kommunion den ersten, dann noch mal, gelegentlich. Inzwischen besitze ich keine mehr. Aber mit der Metapher verbindet sich wohl die Frage, ob man zur Ruhrtriennale...
Würde sie das Land der Griechen mit der Seele finden, träfe sie dort kaum jemand, den sie kennt. Ihr aus Troja heimgekehrter Vater wurde von der Mutter ins Jenseits befördert, die Mutter dann von Bruder Orest. Von all dem weiß Iphigenie noch nichts, es könnte aber sein, dass sie eine besondere Beziehung zum Wind hat. Er fehlte den Griechen, als sie gen Troja segeln...
