Projektionen, Projektionen
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus zusammengeschweißten Platten, wuchtig karg und dekorativ zugleich.
«Der Riss durch die Welt» heißt das Auftragswerk, mit dem sich der Uraufführungsreigen zu Beginn der Intendanz von Andreas Beck am Münchner Residenztheater fortsetzt. Tatsächlich ist es die alte Kluft zwischen Reich und Arm, privilegiert und ausgeschlossen, die sich durch die Eskalation der multiplen globalen Krisenlage nur noch verschärft, die Abschottung und die tödlichen Grenzen, über die auch Kunst keine Brücken bauen kann, weil sie in Teilen zumindest immer auch Teil des Systems ist. Roland Schimmelpfennig hat dazu nach bewährter Methode Gegenwartskonfliktpotenzial mit archaischer Erzählung – hier kein Mythos, sondern passend zum Klimawandel die zehn biblischen Plagen – kurzgeschlossen und ein Konversationssetting konstruiert, in dem zwei Paare unterschiedlichen ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Das nennt man vorausblickende Spielplangestaltung: Just an jenem 10. Oktober, an dem die Akademie in Stockholm bekannt gab, dass der Literaturnobelpreis 2019 an Peter Handke geht, hatte in Klagenfurt dessen Drama «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» Premiere. Das stumme Stück besteht aus unzähligen Mikrodramen – oder eher Nanodramen – und ist ein...
Musicals in New York sind in Zeiten von Donald Trump auch nicht mehr das reine Unterhaltungsvergnügen, das sie einmal waren. Über «Hadestown» (Foto), «Dear Evan Hansen» und eine neue Art politischer Kunst
Was darf Kunst? Was heißt Repräsentation? Wo beginnt Diskriminierung? Ein Kunstdiskurs als neues Stück: Thomas Melles «Ode», der Stückabdruck
Sebastian...
«Alles kommt vom Bergwerk her», ein Satz, wie man ihn in Stücken des sozialistischen Realismus oder vielleicht bei naturalistischen Autoren des 19. Jahrhunderts vermuten würde. Hier aber bildet er den Kern des Gewinnerstücks des Kleist-Preises 2019, uraufgeführt am Staatstheater Cottbus. Entsprechend geht es in «Warten auf Sturm» auch nicht um schwarz-staubige...
