Aleksandar Radenkovic, Orit Nahmias und Cigdem Teke in Yael Ronens Adaption von Isaac B. Singers Flüchtlingsroman «Feinde» 2016; Foto: Ute Langkafel
Dazugehören, verschieden sein
Fast eine Stunde dauert es in Falk Richters Stückentwicklung «Verräter», die auf den autobiografischen Erfahrungen seiner Schauspieler*innen fußt, bis Cigdem Teke endlich zu Wort kommt. Dann allerdings bricht ein Orkan los, der sich so schnell nicht mehr bremsen lässt.
Vom Besuch in Angkor Wat mit Lebensgefährtin und kleinem Sohn mäandert es übergangslos zu Frau Scholz vom Amt, die findet, dass Kinder einen Vater brauchen, zu Trump, zur AfD, zur mangelnden Energie zum Ficken, zum Krach im Kopf: «Dieser Satz hat keine Struktur, zu viel Information in einem Satz, zu viel Gedanken, die mir immerzu gleichzeitig ins Hirn schießen. Seit dieser Trumpwahl kann ich nicht mehr geordnet denken, oder fing das früher schon an? Mein Hirn, immer schweift es ab, immer wühlt es sich hinein in Schmerzpunkte, Verletzungen.»
Wann hat man es als Porträtschreiberin schon mal so leicht? Weiß so genau, was einen erwartet? Wann ist der Porträtgegenstand schon mal dermaßen in Vorlage gegangen, hat Privatestes ausgesprochen, öffentlich, auf großer Bühne, all die Dinge, für die man normalerweise viele Stunden sprechen muss, und dann darf man sie nicht schreiben? Beim Treffen mit Cigdem Teke – klein, zart, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2017
Rubrik: Akteure, Seite 52
von Barbara Burckhardt
Eine Idylle. Der See, Schilf, sandiges Ufer. Und Bierbänke, zerfledderte Lampions, ein umgeworfener Ledersessel. Der See ist immer noch einsam, still, idyllisch, aber es ist eine angeknackste Idylle, die Sebastian Hannak realistisch ins Mecklenburgische Staatstheater gebaut hat. Fürstenfelde, Uckermark, «einfach über den Acker», beschreibt Dorfschönheit Anna...
Mit der Aufteilung seines Erbes richtet sich der alte König selbst zugrunde, kann sich am Ende aber damit trösten, dass er etwas besser weiß, wie seine Töchter ticken. Goneril und Regan, die freundlich lächeln, aber den Dolch im Gewand tragen. Und das Küken Cordelia, das dem Vater ziemlich schnell klar macht, dass man Liebe nicht kaufen kann.
Nur eine weitere...
Die stärkste Szene dieses «Woyzeck» hat Ulrich Rasche kurz vor der Pause platziert. Es ist die Wirtshausszene, in der die Gäste ihre Nasen schon sehr tief in die «Brandewein»-Gläser gesteckt haben oder auf dem Tanzboden gierig übereinander herfallen. Auf der Bühne hört man freilich davon nur. Die metallene Drehscheibe, die Rasche diesmal als Bühnenelement entworfen...
