Politik im Liegen
Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul McCartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien singen, tanzen und manchmal auch etwas sprechen. Weiter erstaunlich: Die Kritik, die bislang das Wort Musical meistens als Menetekel des Niedergangs begriffen hat, zweifelt diesen Boom nicht mehr grundsätzlich an. Im Gegenteil.
«Fela!» stiftete die Schauspielkritiker zuerst in New York, dann in London zu betont lockeren Betrachtungen an. Die vor allem getanzte Geschichte über den 1997 verstorbenen Afrobeat-Erfinder Fela Kuti ließ die Stifte geradezu wackeln. Bei der Kanadierin Peaches, der Geschlechterbeauftragten der elektronischen Musik, hörte man nach «Peaches does Herself» zwar auch Misstöne im Expertenchor. Dafür sang für einmal selbst die «Bild»-Zeitung mit, die den kurzen Weg vom Springer-Haus zum Hebbel am Ufer in Berlin sonst eher meidet. Wo Peaches seit zehn Jahren das Projekt Post-Pornografie durch den ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Musicals, Seite 44
von Tobi Müller
Theater heuteWir haben lange überlegt, von welcher Seite aus man die diesjährige Theatertreffenauswahl in die Mangel nehmen könnte, aber die Sache ist verdammt wasserdicht: 30 Prozent Frauenquote, 10 Prozent Türken, 30 Prozent Freie Szene, 30 Prozent neue Stücke, zweimal Osten, vier neue Gesichter. Da kann keiner meckern!
Vasco BoenischJa, es ist das Jahr der...
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit,...
