Polierte Oberfläche
Das Grauen hat viele Gesichter, und es hat viele Geschichten. Einige der wichtigsten hat Edgar Allen Poe aufgeschrieben. Er ist der Meister des subtilen Schreckens, der den Leser aus dem Hinterhalt mit Gänsehaut und undefinierbarem Unwohlsein überfällt. Ein Sprachkünstler, der in seinen kurzen Erzählungen so beiläufig wie beunruhigend kleine menschliche Grausamkeiten und Bösartigkeiten zelebriert.
Der deutsch-britische Autor und Regisseur Marc von Henning hat nun drei bekannte Kurzgeschichten des dunklen Romantikers zu einem Abendprogramm verarbeitet: «Das ovale Porträt», «Das Fass Amontillado» und «Das verräterische Herz» sind die Basis für die drei Teile seines Projekts «Das falsche Herz. Geheimnisse aus dem Kabinett des Edgar Allen Poe», mit dem er sich in Mainz an einer Dramatisierung versucht.
Das Eröffnungsstück «Das ovale Porträt» ist in einer Rahmenhandlung versteckt: Ein fremdländischer Kunstliebhaber (Thomas Kienast) mit seltsamen Sammelneigungen versucht, dem Publikum einen Vortrag über sein Wirken zu halten. Nur leider bleibt er dabei völlig unverstanden, bis sich eine Landsmännin (Inka Löwendorf) findet, die sein Kauderwelsch ins Deutsche überträgt. Das ist durchaus ...
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