Papierhirsche und Papierziegel
Hund, Katze, Maus. Nein, falsch, ein Kind ist’s, das da – Punkt, Punkt, Komma, Strich – entsteht. Und eine Hose. Ein Fernseher. Ein König: den Kopf durch die Papierwand gesteckt und die Krone einfach drübergemalt. So ein König aber, der hat’s nicht leicht, ist einsam ohne Frau. Und alle anderen sind nur scharf auf seinen Job. Gut ist es da, wenn man ein paar Zaubertricks kann – um in einen anderen Menschen zu schlüpfen, beispielsweise.
Das wiederum klingt ja nun schon wieder sehr nach Theater: Das kann ja bekanntlich auch zaubern, Könige gibt es da zuhauf, und in andere Menschen wird geschlüpft, als wären es Klamotten. Und drum vergisst der bulgarische Regisseur Stefan Moskov gleich wieder, dass er eigentlich «König der Hirsche» von Carlo Gozzi inszenieren wollte und macht lieber ein Stück über die Lust am Theater, über die leidenschaftliche Freude am Spielen. Wie bei einem Zeichentrickfilm, in den immer wieder der Stift eingreift und so Verwirrung unter den beteiligten Figuren schafft, kann an diesem Abend alles entstehen, alles vergehen, im Nu. Was wäre besser geeignet, ein neu zusammengesetztes Ensemble vorzustellen, eine neue Spielstätte einzuweihen?
Unprätentiös und humorvoll ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten...
Vielleicht war ja mal wieder Jean Baudrillard dran schuld. Oder Paul Virilio oder Guy Debord oder einer von denen. Der Aufstand der Zeichen, die Geschichte als Retro-Szenario, rasender Stillstand, you name it you got it. Wahrscheinlicher aber ist es einfach die Zeit, Nine-Eleven, Guantanamo, der genetische Fingerabdruck. Ein Unbehagen gegenüber der Welt und die...
Man müsse tot sein, heißt es, wenn man in Wien eine gute Nachred’ haben will. Manchmal genügt es auch, wenn man todkrank ist. Als der von einem Krebsleiden schwer gezeichnete Hans Gratzer bei der Nestroy-Gala vergangenen November auf der Wiener Varietébühne Ronacher für sein Lebenswerk geehrt wurde, spendete ihm die versammelte Wiener Theatergesellschaft...
