Oscar Wilde: «Bunbury»
Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und Gurken-Sandwiches sind meinungsbildend. Etikette ist keinesfalls Selbstzweck, sondern Lebensanspruch geworden.
Geld dient dem Verjuxen – wenn man nicht gerade auf einem Bahnhof oder in einer Reisetasche auf die Welt gekommen ist. Die Familie, der richtige Stallgeruch, sollten stets stimmen, Bildung ist völlig sekundär, chic sein ist alles. Charakter braucht man letztlich, um sein anderes «Ich» zu erfinden, damit die Grenzen der eigenen Lust- und Moralvorstellungen geweitet werden und bestenfalls eben für den anderen gültig bleiben. «Ich» und «Es» auf der Suche nach dem nächsten Kick, nichts gilt mehr, alles kann behauptet werden. Und schon gehen Erziehung und Kirche höchst eigennützige erotische Verwicklungen ein, und selbstverfasste Trivialliteratur wiegt mehr als Schutzbefohlene. Ein Spiel ohne Grenzen, mit ...
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Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und...
Krisenzeiten sind Zeiten der Techniker. Mit rasanter Geschwindigkeit und dem Einsatz von anderthalb Bundeshaushalten wurde im schwarzen Herbst 2008 die Geldturbine wieder angeworfen. Noch nie haben sich die Regierenden in Europa und Amerika in so kurzer Zeit einigen und rasch entscheiden können und dabei so große Geldsummen in die Hand genommen. Weder die...
Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren...
