Operation Zeichensturm
Um die wahre Größe dieser «Theater»-Produktion in der Volksbühne zu verstehen, ist es notwendig, sich Jonathan Meeses Weg zu einem der teuersten und meistdiskutierten deutschen Gegenwartskünstler vor Augen zu führen.
Die Ursache dieses märchenhaften Erfolges ist vermutlich vor allem in Meeses perfekter Inszenierung eines Rätsels zu suchen: Wer bin ich? Schon mit seiner ersten international awahrgenommenen Präsenz bei der Berlin Biennale 1998 im Alten Postfuhramt in der Oranienburger Straße zeigte er eine Art vollgemülltes Jugendzimmer, das eine Figur im schwarzen Ledermantel mit grimmigen Gesichtszügen anhimmelte: Meese himself. Auf miesen Selbstporträts, die mit martialischen Wortzwittern beschrieben waren, und verwühlt in Filmfotos, Pornobildchen und andere Zivilisationsleckerlis zelebrierte Meese eine manische Freude am infantilen Prahlen, die in ihrer Radikalität Neugier weckte.
Aus diesem chaotischen Kosmos in der Tradition von Anna Oppermanns Zettelwelten, der sich mit düsteren, schablonenhaften Adaptionen kultureller Superzeichen füllte, entwickelte Meese in den Folgejahren einen eigenen kulturellen Code. Als eine Art Kunstschamane bastelte er an seiner Privatmythologie, die ...
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