Nimm das, Nachhaltigkeit!
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu gehen, der von jungen Autoren «große Themen» und «Nachhaltigkeit» verlangt – «Intimität ist Gift!» – und dann doch nur Jahrestage abfeiern möchte, zum Beispiel 20 Jahre Wende.
Dann schleicht sich eben dieses nachhaltige Thema durch die Hintertür herein. Denn «Kein Schiff wird kommen» handelt davon, dass der namenlos bleibende Autor auf seine Heimatinsel Föhr reist, um mangels eigener Mauerfall-Erinnerungen seinen Vater zu befragen. Dabei wird en passant die Kluft zwischen der kollektiven Großformat-Erinnerung und der Banalität des Alltags vorgeführt – die einzige authentische Föhr-Anekdote kommentiert der Sohn verächtlich: «Das ist doch pure Zeitverschwendung! Das hat alles überhaupt keine Brisanz!»
Da blitzt kurz mal Stockmanns Credo auf, dass im Kapitalismus alle Lebensbereiche von merkantilem Denken (in diesem Fall ...
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Ein Leben als Heldin ist nicht so einfach für jemand, der aus Neuss stammt. Das Mittelmaß der Mittelstadt von der anderen Rheinseite führt am Düsseldorfer Schauspielhaus in Martin Heckmanns’ Stück «Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin» zu einem Lebensentwurf, in dem «Schmerz besser ist, als nie
gelebt zu haben». Hermann Schmidt-Rahmer...
Wir haben in diesen Tagen am Thalia Theater einen Test auf all diese Mutmaßungen, die das Theater irgendwo zwischen Kunst, Quote und Elite verankern, durchgeführt und im Rahmen unseres Festivals «Um alles in der Welt – Lessingtage 2010» gefragt: «Was ist Kultur uns wert?» Die Idee: Jeder zahlt, so viel er will, zwischen null Euro und ad libitum. Der Arme, der...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
