Nicoleta Esinencu: Die Abschaffung der Familie
Eine Performance von
Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Catalina Bucos, Doina-Romanta Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Unter Anrufung der Geister unserer Mütter und Großmütter befehlen wir die Verdammung der Monogamie
ALLE
Ging das Mädchen seines Wegs
traf die Monogamie unterwegs
die
hat sie gezwickt
hat sie geneckt
hat sie geheiratet
hat sie verschleiert
hat sie gestoßen
hat sie b
edroht
hat sie bezwungen
Und die Monogamie sprach so:
du bist mein
ganz allein mein
ich mach mit dir was ich wohl will
ich mach aus dir was ich wohl will
Und das Mädchen sprach so:
weiche, Monogamie,
weich von mir und geh
aus dem Haus
von dem Tisch
aus dem Bett
unterm Bett hervor
aus den Häusern allen
aus den miteinander verbundenen Leben
Weiche und geh
ersaufe du
kommst du ins Bette mir
zerquetsch den Kopf ich dir
kommst du zu mir ins Haus
gehst du als Biomasse wieder raus
willst du in meinen Armen kauern
werd ich dir eins in’ Unterleib hauen
willst du, dass ich dich im Kopfe hab,
ziehst du heulend wieder ab.
Mit dem Messer mach ich dich kürzer
mit schwarzer Feder feg ich dich aus
mit dem Mund pust ich dich weg
in Schlamm und Unrat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von
Aufführungen
Im Deutschen Theater Berlin trifft der unermüdlich drehbühnenkreiselnde Ulrich Rasche auf Sarah Kanes letztes Stück, den ausweglosen Depressionssog von «4.48 Psychose». Eher umgekehrt sucht Susanne Kennedy in «Ultraworld» an der Volksbühne Berlin nach einem Modell für die Welt und die Bewusstwerdung eines Menschen. Sowohl Johan Simons in Bochum als...
Zu Beginn eine Szene, die an die US-Serie «True Detective» erinnert: Taschenlampen erhellen den dunklen Bühnenraum, geben den Blick frei auf eine unheimlich drapierte Frauenleiche. Eindeutig ein Ritualmord: ausgeweidet wie ein Tier, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf und Runenzeichen am nackten Körper. «Fesseln, Stiche, Folter, nirgends Blut», stellen die beiden...
«King Lear, so etwas fehlt uns», klagte Corinna Kirchhoff vor ein paar Jahren über den Mangel an Rollen für ältere Frauen. Penelope Skinner hat Abhilfe geschaffen. Nun gibt es «Linda», eine tragische Frau, die das Richtige will, aber grässliche Fehler macht. Irgendetwas ist doch von Anfang an falsch, wenn man die Gleichberechtigung der Frauen oder gar die...
