Marie Bauer, Maria Goldmann (Valerie Solanas) und Niklas Bruhn in «Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika!». Foto: Marek Kruszewski
Nicht Krankheit, sondern Klarheit
Das Einzige, was sie bereute, war, nicht richtig getroffen zu haben. Valerie Solanas ist berühmt, weil sie auf Andy Warhol schoss, ihr feministisches Manifest «SCUM» wird meist erst danach erwähnt. Auch Warhol wurde durch den Schuss berühmt. Doch während die Preise für seine Ready-mades in Millionenhöhe schnellten, starb Solanas mit 52 Jahren im Obdachlosenheim.
Man kann das Ironie der Geschichte nennen oder ein Symptom struktureller Frauenfeindlichkeit, die aufzudecken Solanas’ Lebensobsession war, nicht ohne dabei das Abschneiden männlicher Genitalien und überhaupt die gesamte Vernichtung von Männern zu fordern.
Am Sterbebett der Krawallfeministin
War sie wirklich klinisch paranoid, wie oft angenommen, oder wurde sie vielmehr von einer «Staatsform» dazu gemacht, welche auf der «ständigen Verunglimpfung der Hirnkapazität der halben Bevölkerung basiert»? So steht es in «SCUM», und es ist ein Verdienst der schwedischen Schriftstellerin Sara Stridsberg, die relevanten Passagen des umstrittenen Textes neu zu beleuchten. Denn bekanntlich haftet das Patriarchat so subtil und souverän in seinen Machtpositionen, dass institutioneller Sexismus auch heute nicht ungestraft diagnostiziert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Dorothea Marcus
Theater heute Erstmal Gratulation zum neuen Job! Sie sind seit acht Monaten neuer geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, eine Aufgabe, mit der man institutionell zwischen allen Stühlen sitzt. Eine ehrliche Stellenbeschreibung wäre aus Theatersicht vermutlich «Dr. Jekyll and Mr. Hyde», denn einerseits sitzen im Bühnenverein als Tarifpartner die...
Muss man im Jahr 2017 eigentlich noch eine Diskussion über Nacktheit im Theater führen? Ja, muss man wohl tatsächlich, angesichts der Nackten, die das Hamburger Kampnagel-Gelände bevölkern und einen zwischen den einzelnen Stücken zwingen, sich zu ihrer Blöße zu verhalten. Lebende Statuen, eine an eine Säule gelehnt, eine auf dem Boden drapiert, zwei reiten...
Wir marschieren im Quadrat. Ein komplizenhaftes Nebeneinander und Hintereinander in losen Zweierreihen, das innerhalb weniger Minuten den Verkehr zum Stillstand bringt. Denn unser Marsch führt über vier Zebrastreifen, die eine Straßenkreuzung umspannen – und bald sind alle vier mit uns, dem Publikum, gefüllt. Zur Verblüffung der Autofahrenden, die verharren und...
