Neurosen zu Pointen

Weiter im preisenswürdigen Alterswerk: Woody Allens Krimikomödie «Scoop»

Theater heute - Logo

Das Raffinierte an Woody-Allen-Witzen ist, dass man immer denkt, man müsse das doch eigentlich auch können. Dieses wuselige Umformen alltäglicher Misslichkeiten und Neurosen zu Pointen. Was natürlich nicht stimmt. Aber dass man dazu jüdisch sein und in New York leben muss, stimmt ebensowenig. Von London aus geht es auch. Schon seinen letzten Film, «Match Point» von 2005, drehte Allen in der eng­lischen Hauptstadt, und die Begegnung mit den Neurosen und Sublimationsstrategien der Briten hat ihm ebenso gut getan wie die Zusammenarbeit mit Scarlett Johans­son als neuer Heldin.

Seither gilt der inzwischen 70-jährige Allen als Garant eines prei­senswürdigen Alterswerks im E-Fach. «Scoop» zeigt noch einmal im Komödienformat, dass der Nebbich-Humor weder an Ort noch Alter gebun­den ist.
«Scoop», was im Zeitungsgeschäft soviel heißt wie «Knüller», führt die Auseinandersetzung des notorischen Manhattan-Bewohners Allen mit der Alten Welt fort. Zumindest insofern, als es auch hier einen Zusammenprall von so genannten kleinen Leuten und einer exklusiven Oberschicht gibt. Während sich der Aufsteiger-Held in «Match Point» jedoch heillos in den neuen Verhältnissen verstrickt, ist «Scoop» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 62
von Petra Kohse

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Brocken Schweiz

Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und...

Das Stück zur Erzählung, eine Erzählung als Stück

Die Direktion Herbert Föttingers in der Josefstadt beginnt wenig überraschend: Der Vorhang geht auf. Die Art und Weise aber, wie der Eiserne an diesem Abend geöffnet wird, hat durch­aus symbolischen Charakter: Die Schau­spieler selbst sind es, die den schweren Stoff mühevoll nach oben stemmen, und wenn er dann endlich in lichte Höhen entschwindet, bestau­nen sie...

Würde der Frauen

Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eiser­nen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des...