Mut zur Phrase
Sozialstudie, Milieu, Psychogramm. Dazu bestes Schauer- und Schockermaterial und am Schluss eine zünftige Läuterung mit Moralbotschaft. Was hätte das für ein «Tatort» werden können! Im Zeichen des Fadenkreuzes wäre, so lässt sich mutmaßen, die Sache gut ausgegangen. Warum aber musste Albert Ostermaier ein Theaterstück aus dem Stoff machen? «Schwarze Minuten» heißt das Auftragswerk, das der Münchner Dramatiker dem Mannheimer Nationaltheater für seine diesjährigen Schillertage kredenzt hat.
Frei nach einem Prosatext, der wahlweise als «Verbrecher aus Infamie» oder «Verbrecher aus verlorener Ehre» firmiert, hat Ostermaier Schillers Dokugeschichte über einen bürgerlichen Gastwirtssohn, der vom Kleinkriminellen zum Mörder und Räuber wird, zum Drama gemacht.
Bei Schiller heißt der Unglückliche Christian Wolf, in der historischen Realität wurde ein Friedrich Schwan gehängt. Daraus mixt Ostermaier den Antihelden Loup Swan, der fortan in doppelter Ausführung – jung und alt – als früh Verlorener durch das Stück wankt. Hinter jeder Ecke lauert eine Anspielung, mal verfällt Ostermaier in die Reimform, mal gibt es Schiller im Original – nur ein origineller Ansatz, eine aufregende neue Lesart ...
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Während des Frühstücks am Morgen danach, als das Grübeln über den passenden Einstieg für die Theaterkritik die nötige Aufmerksamkeit beim Vorgang des Toastens absorbiert, flammt die Idee von selbst auf: in dem Moment nämlich, als die Brotscheiben verkohlt aus dem Röster springen. Genau das passiert auch Stuart, «Stupid Stuart» McQuarrie, dem «schlaffen Scheißsack»...
Eine seiner Geschichten, die er öfter erzählte, als ihr unbedingt gut tat, war der Stuka-Angriff auf den Hafen von Malta, wo die englischen Kriegsschiffe lagen: Wie sich der Bomber mit drohendem Geheul auf die Stadt stürzte, wie die Menschen auf dem Marktplatz als kleine Ameisen panikartig auseinanderspritzten, wie der Pilot die Maschine im letzten Moment wieder ...
Eine zwiespältige Einladung ist das, wenn sich Theaterleute in «Theater heute» über die Kritik und ihr Verhältnis zum Theater äußern sollen. Denn wer als zweiter zieht, zieht immer den Kürzeren. Kritiker zu kritisieren, die einen auch schon mal schlecht besprochen haben, kann schnell etwas Beleidigtes bekommen. Und «die» Kritik gibt es ja auch gar nicht. Und wäre...
