München: Totalschaden im Retro-Stil

Franz Xaver Kroetz «Mensch Meier» im Residenztheater

Theater heute - Logo

Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt.

Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell zuständig, und die Familienlebensqualität mit Frau und Sohn hat das kritische Stadium erreicht, wo weitere Verbesserung unwahrscheinlich, Verschlechterung nicht ausgeschlossen und der Status quo – Resultat jahrzehntelanger Selbstverleugnung am Fließband bzw. in Haushalt und Ehebett – kaum noch auszuhalten ist. Es ist die angstgraue Seite der wilden Siebziger, die Franz Xaver Kroetz in seiner Milieu-Skizze «Mensch Meier» aus dem Jahr 1976 sarkastisch aufs Korn nahm und die David Bösch jetzt im Marstall des Münchner Residenztheaters als Vorstufe zur heutigen Wohlstandsdepression noch einmal mit viel Liebe und Fleiß in Szene setzt.

Die Bühne (Patrick Bannwart) beherrscht ein Schrankwandungetüm, in Resopal gegossene Aufstiegssehnsucht, darin regalbretterweise rührende Versuche, der genormten Wohnödnis dennoch so etwas wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
GEÄCHTET

Ort

Eine geräumige Wohnung an der Upper East Side in New York.


Zeit

2011 bis 2012.
Die ersten beiden Szenen spielen im Spätsommer 2011.
Die dritte Szene spielt drei Monate später im Herbst.
Die vierte Szene spielt sechs Monate später im Frühling.


Das Stück sollte ohne Pause gespielt werden



SZENE EINS

Licht.
Hohe Decken, Parkettboden, Profilleisten. Das...

Migration und Hintergründe

Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...

Nürnberg: Rechter Spaßprediger

Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...