München: Herzstillstand

Ryan Trecartin «The Re‘search», Tom McCarthy «8 ½ Millionen»

Theater heute - Logo

Zwei zeitgenössische Künstler, ein Videofilmer und ein Autor, liefern das Ausgangsmaterial zu den beiden jüngsten Produktionen der Münchner Kammerspiele: Ryan Trecartin, geboren 1981 in Texas, ist ein Digital Native der ersten Stunde, der mit hochprofessionell produzierten Videos in der trashigen Youtube-Ästhetik einer dauerquasselnden, mit der Kamera im Kinderzimmer aufgewachsenen und nie erwachsen werden wollenden Post-Internet-Generation die Kunstwelt derzeit in helle Verzückung versetzt.

Regisseur Felix Rothenhäusler hat Trecartins Drehbuch zu seinem Film «The Re’search» in der kleinen Kammer 3 sozusagen re-analogisiert und aller bunten Pop-Accessoires entkleidet. Das übrig gebliebene Wortgeflimmer im Twitterlook lässt er von hochkarätigen Darstellern wie Brigitte Hobmeier, Julia Riedler und Thomas Hauser in schwarzen Trikots als hyperaktive, inhaltlich kaum fassbare Sprech-Aerobic-Stunde vor einer Spiegelwand vorturnen. Danach hat man das Gefühl, aus einem speedgetunten Gehirnwaschgang frischgeschleudert wieder aufzuwachen.

Literarisch gehaltvoller ist da die Vorlage, die der britische Schriftsteller Tom McCarthy mit seinem Romandebut «8 ½ Millionen» zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Vorschau

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hinterlässt eine Spur des Entsetzens unter amerikanischen Künstlern und Intellektuellen – eine Reportage. 

Ruth Reinecke spielt seit 1979 am Berliner Maxim Gorki Theater. Sie war in Volker Brauns legendärer «Übergangs­gesellschaft» dabei, hat ein halbes Dutzend Intendanten er- und überlebt – und viel zu erzählen: ein...

Freie Szene: Lost in Cooperation

München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht...

Mannheim: Star ohne Pop

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es Menschen wie Iggy Pop geht oder weiland Lemmy von «Motörhead» oder Janis Joplin, der sollte Simon Stephens’ letztes Stück «Birdland» lesen (und sich nicht daran stören, dass es darin vor Klischees nur so wimmelt). Lesen wohlgemerkt, denn wenn man sich die deutsche Erstaufführung im Nationaltheater Mannheim ansieht,...