Müllers Kind als Kult
«Passionsweg durch die Moderne» hat Brigitte Maria Mayer ihre Auseinandersetzung mit Müllers Text genannt, die sich auf drei Leinwänden in einer Art Filmessay, aber auch in zwei Räumen der Berliner Akademie der Künste abspielt, wo man unter anderem der Malerin Hui Zhang dabei zusehen kann, wie sie Tiepolos Würzburger Fresco «Apollo und die vier Kontinente» kopiert – ein Akt, der den Originalitätsanspruch des Abendslandes relativieren und den Einbruch der Dritten Welt in die Erste als Kunstaktion demonstrieren soll, dabei aber den eigenen kolonialistischen Blick gar nicht bemerkt: di
e Chinesin als Kopistin abendländischer Meister. Ein Eindruck, der sich im Film noch verstärkt – ein bildmächtiger Marsch durch Müllers Text, in dem man der authentischen chinesischen Kultur nur noch als Hochglanzkulisse begegnet.
Zwischen alten Tempeln steht ein junges Mädchen in einem enormen elisabethanischen Reifrock aus weißem Fell, um das chinesische Geistliche einen merkwürdigen Tanz vollführen.
Und der eigene Blick?
Am Anfang wandert ein blasser Mond über drei Leinwände. Als Text erscheint der Stückanfang: Was bisher geschah. Dann brechen die Bilder los, Landschaften der Welt, gefilmt, wie ...
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