Meer aus Worten
Herr Jedermann ist auf dem Salzburger Domplatz bereits an die 700 Tode gestorben. Und doch ist der Mann einfach nicht umzubringen. Seit die Salzburger Festspiele 1920 gegründet wurden, hat Hugo von Hofmannsthals katholisches Knittelversdrama einen Fixplatz im Spielplan. Als Andres Müry 2001 ein Buch über das Kultstück vorlegte, gab er ihm den schönen Titel «Jedermann darf nicht sterben». Jedermann darf aber auch nicht krank werden. Bis heuer war der Darsteller des Jedermann nur ein einziges Mal, am 28. August 1932, ausgefallen.
Einmal in fast hundert Jahren!
Das erklärt vielleicht die Aufregung, die nicht nur Salzburg, sondern ganz Österreich diesen Sommer erfasste, als der diensthabende Jedermann Tobias Moretti infolge einer Lungenentzündung mitten in der Spielserie pausieren musste. Einspringer Philipp Hochmair war tagelang die Spitzenmeldung in Presse, Funk und Fernsehen; dass ein Schauspieler eine Rolle übernahm, obwohl ihn der Notruf aus Salzburg erst 30 Stunden vor der Vorstellung erreicht hatte, wurde als eine Art Weltwunder dargestellt. Ganz unvorbereitet war Hochmair allerdings nicht: Seine «Jedermann»-Soloperformance, die 2013 beim Young Directors Project der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Festivals, Seite 12
von Wolfgang Kralicek
Verschreckt treten sie auf die Bühne, die Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren schaumstoffgefüllten Fatsuits mit den angehefteten Geschlechtsorganen. Ein Hofstaat zum Abgewöhnen: übergewichtig und uniform; Monster, zu allem bereit. Mit an Bord sind für diesen «Macbeth» in Weimar Corinna Harfouch und Susanne Wolff, die sich Titelrolle und Lady Macbeth...
Der Ursprung der Pilgerfahrt nach Mekka liegt in einer Erzählung, die auch im Alten Testament zu finden ist. Hagar (dt. die Fremde), Abrahams Nebenfrau, irrt dort mit ihrem durstigen Sohn Ismael durch die Wüste, sieben Mal rennt sie zwischen den Bergen Safa und Marwa hin und her, bis Gott schließlich die rettende Quelle Zamzam entspringen lässt. Heute, erfährt man...
Könnte es sein, dass zu #MeToo so langsam alles Wesentliche gesagt ist? Nur noch nicht von allen? Das Maxim Gorki Theater geht die Frage zum Saisonbeginn systematisch an. Im Vorprogramm zur neuen Yael-Ronen-Produktion «Yes but No» läuft im kleinen Studio eine Stückeigenentwicklung von Suna Gürler und Lucien Haug zum Thema Adam, die männliche Hauptfigur, unter einem...
