Marktgemüse

Gianina Carbunarius «Spargel»

Theater heute - Logo

Spargel» von Gianina Carbunariu (ein Einakter, der aber gerade von der Autorin zu einem abendfüllenden Stück für das Volkstheater in Wien ausgearbeitet wird) spielt in einem Supermarkt in England. Uhrzeit: 21.15, eine Dreiviertelstunde vor Ladenschluss. George, Engländer, Pensionist und Dani, Rumäne, Mitte dreißig, Spargelpflücker, studieren das Angebot. Es ist einer dieser Supermärkte, die abends ihre verderblichen Waren stark reduzieren ...



Diese Beschäftigungen wiederholen sich Abend für Abend: Warten bis zu dem Moment kurz vor Ladenschluss, in dem sämtliche Nahrungsmittel, deren Ablaufdatum unmittelbar bevorsteht, billiger verkauft werden.Die beiden Männer sind allerdings auf der Schnäppchenjagd ganz und gar in sich selbst versunken: vor allem Dani. Die Situation, auf Tagelohnbasis zu arbeiten, ohne Gewerkschaft, ohne Rechte, lässt ihn – wie Hunderte von Arbeitern – halblegal fern von zu Hause schuften. Nach einem viel zu langen Arbeitstag bleibt ihm wie seinen Kollegen aus allen «armen» Ländern Europas nichts anderes übrig, als in trostlosen Unterkünften herumzusitzen und von einem besseren Leben in der Heimat zu träumen. Der Supermarkt als Denk-, als Wegwunschraum. Dani ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 173
von Barbara Weber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Künstler als Goldwäscher

Es ist noch nicht so lange her, da ging man in diesem Outfit eher auf ein Brian-Adams-Konzert. In Karohemd und enger Jeans. Auf Du-und-Du mit dem ehrlichen Rocker. «In the Summer of ’69» (anno 1984). Und jetzt ist das das Outfit für die Volksbühne, für Fabian Hinrichs zumindest. Noch ein Handshake im Saal mit Christoph Schlingensief vor der Premiere, ein Hallo zum...

Wir sind es selbst

Sie sind unter uns. Und es sind viele. Sie sehen aus wie wir. Aber sie haben niemals eine Sinfonie gehört, ein Gedicht auswendig ge­lernt oder ein Theater besucht. Sie schauen fern und freuen sich, wenn in den Nachmittagstalkshows Leute auftreten, die noch blöder sind als sie. Dann fühlen sie sich überlegen und einen Moment lang herausgehoben aus ihrem Alltag aus...

Spur des Vaters im Schnee

Es gibt eine Fotografie, die zeigt Elfriede Jelinek 1998 an der Seite von Einar Schleef auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gespielt wird «Ein Sportstück». Jelinek und Schleef stehen auf einem Bodentuch, das mit einem Text bedruckt ist. Er im Frack, sie mit einer Kladde in der Hand, als seien sie Sänger und Pianistin eines Konzertabends. Vielleicht Schubert....