Manische Narzissten
Malerisch prangt der Mond über der hohen Steinmauer, die am Ende der Bühne jeglichen Ausweg zu verweigern scheint. Blaues Licht taucht den Raum in Melancholie. In einer Ecke verheißt eine pinke Leuchtschrift «Illyrien» und erinnert mit Flügel und Pianist an eine Bar. Eine verwaiste Badewanne trägt die Aufschrift «No Veritas», tote Gleise führen ins Nichts (Bühne: Gralf-Edzard Habben). Am Rande dieses märchenhaften Ortes sitzen die Schau–spieler in geringelten Pullovern, rote Plastikeimer über die Köpfe gestülpt.
Schiffbrüchige? Gefangene? Spielfiguren? In jedem Fall Identitätslose, die erst zu eigenem Leben erwachen, als sie sich ihr Kostüm überziehen.
Karin Neuhäuser potenziert in ihrer farbenprächtigen (selbst das Säufertrio kotzt mehrfarbig), derb-komischen Inszenierung von «Was ihr wollt» den Hang zur Selbst–inszenierung der verwirrt-verliebten Figuren. Während bei Shakespeare der Geschlechter-tausch der schiffbrüchigen Viola die Liebeswirrungen auslöst, setzt sich hier jeder permanent für sein imaginiertes Gegenüber in Szene – sich selbst wie den anderen dabei gnadenlos verkennend. Die bunte Gruppe der sich manisch selbst entwerfenden Narzissten trifft den modernen Menschen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 50
von Natalie Bloch
Aalen, Theater der Stadt
Kasse: 07361/52 26 00
1. Dürr, Saffan und Krump
R. Danielle Strahm
3. Ringsgwandl, Die Tankstelle der Verdammten
R. Ingmar Otto
Basel, Theater
Kasse: 0041/61/295 11 33
2. Preußler, Krabat
R. Tomas Schweigen
9. Kleist, Der zerbrochne Krug
R. Ronny Jakubaschk
Bautzen, Volkstheater
Tel.: 03591/584 225
2. nach Fontane,...
Auch wenn der Betrieb gerne lacht über Andrea Breths Ansicht, die Probe sei heilig wie die Kirche, so trifft Breths Zustandsbeschreibung dennoch auf fast alle zu. Konklave würde es noch besser treffen, weil der Zutritt stets streng beschränkt bleibt und am Ende selige Gesichter erscheinen: Habemus Premiere. Wie sehr die Probe (oder dieser Band bereits im...
Zum gerade gefeierten 70. Geburtstag hat ihm seine Frau eine Reise auf den Spuren der Kindheit geschenkt. Bevor Gert Voss aber zu Schiff ins Chinesische Meer stach, hat Ursula Voss nach den auf Band gesprochenen Lebenserzählungen ihres Schauspielermannes ein Buch in seinem Namen geschrieben: «Ich bin kein Papagei», Untertitel «Eine Theaterreise». Und natürlich...
