Man sieht alles!

Eine Betrachtung zu Saisonbeginn

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Es wundert einen, dass die Leute immer noch ins Theater gehen, nach allem, was sie in der Schule durchgemacht haben.

Orson Welles

 

Finde ich mich in einem Theaterfoyer umringt von Menschen, die meine Kinder sein könnten, es gottlob nicht sind – hätte mein Kind auch so eine Plastikumhängetasche und würde sich unique fühlen? –, dann läuft etwas falsch. Ein Theater, in das Zwanzigjährige strömen, ist mir zutiefst unsympathisch. Vermutlich hat es den Ruf, hip zu sein, das Theater, macht Späßchen mit Rockstars und Comedians, auf jeden Fall ist es anbiedernd und abzulehnen.

Junge Menschen haben im Theater nichts zu suchen. Da geht man hin, als Kind, ins Weihnachtsmärchen, vielleicht noch als verwirrter Pubertierender, um den Schmerz der intellektuellen Qual auszukosten, in jener Zeit, als Wachsender, da man glauben mag, dass nur Bedeutung hat, was keine Freude bereitet – aber danach muss Ruhe sein. Ablehnung. Revolution. Ekel.

 

Kunst und Wahrheit

Theater ist für die Generation der Eltern, ist kein Kino, ist Anstrengung, unbequemes Gestühl und meist Langeweile. Junge Menschen, die sich für Kunst interessieren, sind verzogene Gören, denn Jugend und Kunst gehören nicht zusammen. In der ...

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Theater heute Oktober 2006
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Sibylle Berg

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lob der Textschrulle!

Ich war mal im berühmten «Kaffee Burger» in Berlin zu einem Leseabend von ungefähr vierzig jungen angesagten Literaten, die ich alle nicht kannte und die schwarz umrandete Brillen trugen und sogar während des Lesens sehr gekonnt rauchten. Das Publikum bestand aus circa 60 Zuhörern, die quasi auch alle schwarz umrandete Brillen trugen und eigene Manuskripte mit sich...

Notizen

Historische Pointe

Um die Uraufführung von Elfriede Jelineks neuem Stück «Ulrike Maria Stuart», die das Thalia Theater am 28. Oktober plant, ist ein Streit mit Bettina Röhl entbrannt. Die Tochter von Ulrike Meinhof sieht ihre und ihrer Mutter Persönlichkeitsrechte verletzt. «Was Jelinek über Mutter Meinhof liefert, ist historisch, faktisch, wenn ich es so positiv...

Die Kamera lief mit

Wohnzimmertheater eigentlich, abgefilmt und geschnitten. Eine Bühnenvariante gibt es im Hamburger Thalia Theater ja tatsächlich. Aber das Schöne am «Swinger Club»-Film von Jan Georg Schütte ist, dass man als Zuschauende einerseits nicht nur mit am Tisch, sondern den Schauspielern geradezu auf dem Schoß sitzt, andererseits immer wieder eine rhythmisierte Draufsicht...