Lustvoll ausgepeitscht
Schwierige Sache, die Freiheit. Kaum sagt keiner mehr, wo’s langgeht, geht alles durcheinander. Die alte Mam (Heidemarie Rohweder in einem Kurzauftritt) hat ihr Leben ausgehaucht, und vier ihrer Arbeitssklaven heben den Leichnam an, um ihn wegzutragen – aber jeder will in eine andere Richtung. Kurzes Zerren, Stolpern, Stutzen. Dann weist Noch-Vorarbeiter Stanley (Thomas Eisen) nach rechts, und man setzt sich in Bewegung.
Dass sich auch in kleinen Momenten das große Thema spiegelt, spricht für die Konsequenz, die Volker Lösch in seiner zweiten Lars-von-Trier-Adaption in Stuttgart an den Tag legt. Vor knapp drei Jahren schockte er zu Hasko Webers Amtsantritt die schwäbischen Abonnenten mit einer radikal eingemeindeten «Dogville»-Version (siehe TH 11/05). Die Gefahr knallender Türen droht bei «Manderlay» nicht, auch wenn Lösch die auf die USA gemünzte Filmhandlung erneut nah an den Spielort heranzieht: Statt schwarzer Baumwollplantagensklaven befreit Grace hier arme Sweatshop-Schufter, die als Zwangs-Multi-Kulti-Gemeinschaft in einem Container hausen (Ausstattung Carola Reuther) und von in Stuttgart lebenden Migranten gespielt werden.
Doch wo «Dogville» dem Parkett plakativ-provokant ...
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Der Mensch sei eine Bestie, behauptet der Dichter. Aber nacktbäuchig ist er doch recht lustig anzusehen, entgegnet der Theatermacher. Das ist so der Diskurs zwischen Stephan Bachmann (geboren 1966) und Pedro Calderón de la Barca (geboren 1600, gestorben 1681), den sich der Zirkuszeltbesucher in einem Park direkt am Alsterufer im eher geschniegelten Hamburger...
«Nix g’wies woas ma net», sagte die Dame hinter mir sehr gelassen beim Rausgehen und hatte damit das Wesentliche zusammengefasst. Dazu muss man sich allerdings in die Feinheiten der Münchner Grammatik begeben. Denn «nichts Genaues weiß man nicht» heißt eben trotz der doppelten Verneinung keineswegs, dass man was wüsste. Im Gegenteil: je doppelt verneinter, desto...
Eine verpasste Anschlussmaschine hätten diese Fluggäste zur Pflege ihrer Problemhaushalte eigentlich nicht mehr unbedingt gebraucht: Die Mittdreißigerin Zana weiß weder, wo ihr Mann ihre Hutschachtel vertrödelt hat noch, warum er ausgerechnet mit Stewardessen fremdgeht. Der Endsiebziger Oliver wurde soeben aus dem komfortablen Irrglauben gerissen, dass es...
