Lizenz zum Stage diven
Bevor es richtig losgeht mit der vielstündigen Schlacht der Griechen, der Götter und des olympischem Gedonners, tritt der Schauspieler Nils Kahnwald in der Rolle des Schauspielers Nils Kahnwald an die Rampe der Münchner Kammerspielbühne. Wie ein Boxer trippelt er auf der Stelle und zeigt ein schmales Lächeln. Mit einer merkwürdig hellen, manchmal fast ins Schluchzen abrutschenden Stimme verkündet er: «Ich mag Menschen. Ich mag euch.» Ein paar Sekunden Pause. «In 365 Tagen seid ihr vielleicht schon tot.
» Das sei statistisch gesichert – mindestens zwei, vielleicht fünf der anwesenden Theaterzuschauer würden in den nächsten zwölf Monaten sterben. In zehn Jahren könnten schon fünfzig der Anwesenden tot sein. «An mich wird kaum jemand zurückdenken. In fünfzig Jahren ist die Erinnerung an mich eine Fußnote in einer Doktorarbeit, eine vergilbte Eintrittskarte in einem Schächtelchen auf dem Dachboden.» Kahnwald hebt den Blick und blinzelt in Richtung Scheinwerfer. «Und in hundert Jahren sind wir wirklich alle tot.»
Die Zuschauer wollen Party, doch der Conférencier redet vom Sterbenmüssen. «10 Stunden Antike» sind für die Theatershow «Dionysos Stadt» in den Kammerspielen versprochen, zum ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Akteure, Seite 4
von Wolfgang Höbel
Marcel Heupermann hat eine steile Schauspielerkarriere hinter sich, wechselt demnächst von München nach Wien – und pflegt ein gesundes Selbstbewusstsein. Ein Porträt.
Als Karin Bergmann vor fünf Jahren das Wiener Burgtheater übernahm, war es hoch verschuldet, tief verunsichert und führungslos. Sie verlässt ein bestelltes Haus: eine Bilanz.
Wer meint, die Provinz...
Am Anfang ist scheinbar noch alles in Ordnung: ein detailgetreu nachgebautes Zimmer einer Arbeiterwohnung im New York der 50er Jahre. Damals gab es in den USA schon, was uns heute umtreibt: illegale Einwanderung. Und am Ende hat dieses Problem die ganze falsche Ordnung aufgelöst. Von der tristen Ordnung zum schönen Chaos, von Realismus zu abstrakter Symbolik, das...
Da haben sich Theater und Autorin gefunden: Zum dritten Mal seit 2016 kommt in Baden-Baden ein Stück der Australierin Joanna Murray-Smith auf die Bühne, und nach dem Nachspielen von «Zorn» und der deutschen Erstaufführung von «Switzerland» ist es diesmal sogar eine deutschsprachige Erstaufführung. Dabei hätte «Nur drei Worte» (uraufgeführt 2017 in Melbourne)...
