Liebeswahn am Durstlöscher
Ein laut lachendes Großmaul mit unverschämt weit herausgereckter Zunge mitten im Stadtpark zu Dessau. Links die Imbissbude «Durstlöscher», rechts ein Touristen-Wohnmobil. Dazwischen rast das Sommerspektakel (Ausstattung: Christian Wiehle) zum großen Finale der ersten Spielzeit des Anhaltischen Theaters unter neuer Direktion. André Bücker präsentierte eine hier bislang ungewohnte Vielfalt der Formen und Themen.
Und trotz des finanziellen Dauerdrucks gingen die zahlreichen, oft aufwändigen, also selbstausbeuterischen Unternehmungen weitgehend glückhaft über die Bühne(n) der begeisterten, von Deindustrialisierung und Abwanderung so schwer gebeutelten Stadt.
Also ein grellroter Lachmund. Mit gebleckter Zunge als Laufsteg, über dem in Glitzerschrift «Heart’s Fear» steht, was wie «Hartz IV» klingt. Und der Gesangswettbewerb «Goldener Mund 2010», der da über die Laufsteg-Zunge dröhnt und piepst, ist auch danach: ein Trashformat als hochkomische Parodie gängiger TV-Song-Contests. Und zugleich der herzige Start in die Dessauer Freilicht-Show, bei dem die schmissige Schnulzen-Band, ein schmieriger Showmaster Cyprian (Matthieu Svetchine) sowie die beiden Supersternchen Helen (Katja Sieder) ...
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