Liebestod und Hirnsalat
Der große Liebesfinalkreis schließt sich pathetisch, als Achill tot ist. Da hält Penthesilea die blutverschmierte Leiche auf ihrem Schoß, Musik brandet auf, und ihr verbaler Selbstmord ist beschlossen. Mächtig aufgetürmt ergießt sich das tragische Gefühl von der steilen Bühnenrampe ins andächtig gebannte Publikum und von da in den Schlussapplaus. Die große Oper befindet sich in Frankfurt eigentlich im Nebengebäude, aber solche Kleinigkeiten haben Michael Thalheimer noch nie gestört. «Vor welcher Tat ich steh, begreif ich wohl. / Doch stärker als Vernunft ist Leidenschaft.
/ Aus ihr entstehen der Menschen schwerste Leiden.» Das Zitat stammt zwar aus «Medea», Thalheimers letzter Tragödie in Frankfurt, doch es passt auch auf Kleists «Penthesilea», jedenfalls wenn man sie auf antikes Tragödienmaß bringen will.
Penthesileas wie Achills Dilemma ist nicht besonders kompliziert: Ihrer durchaus gegenseitigen Liebe steht die solide verinnerlichte preußische Gesellschaftsregel entgegen, dass man den anderen vor dem Vergnügen erst militärisch zu erobern hat. Auf dem Schlachtfeld kann allerdings nur einer gewinnen. Zuerst ist es Achill, der Penthesilea besiegt und der aus der Ohnmacht ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht...
Okay, im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wird keine Bombe geworfen. In Federico Fellinis Porträt einer dem Untergang geweihten Schiffsgesellschaft «E la nave va» (1983) dagegen schon. Dort schleudert sie am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein serbischer Jugendlicher, der mit mehreren Dutzend gerade erst aus Seenot geretteten Leidensgenossen nach dramatischen...
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
