Lech ohne Lächeln

«Polski Express» im Berliner HAU – «EC 47» in Warschau: Die junge polnische Theaterszene wird politisch – und inspiriert sich beim Nachbarn in Deutschland

Theater heute - Logo

Das polnische Theater hat sich nach 1989 lange Zeit als Raum der reinen Kunst bestimmt. Politische Fragen sollten anderswo diskutiert werden und das Theater, das in der lähmenden Zeit des Kriegsrechts gelitten hatte, in aller Ruhe seine Rolle im neuen Polen finden. Krystian Lupa stieg mit seinen oft vielstündigen Romanbearbeitungen zum überragenden Regisseur jener Phase auf, gefolgt von Grzegorz Jarzyna und Krzysztof Warlikowski. Sie leiteten Ende der neunziger Jahre eine «beispiellose Metamorphose des polnischen Theaters» ein, wie der Kritiker Lukasz Drewniak feststellt.

Er spricht gar von einem «Tsunami der Jugend», der das polnische Theater der letzten Jahre aufgestört habe, und zwar nicht nur in den großen Theatern der Metropolen, sondern auch in Provinzstädten wie Legnica und Walbryzch, wo die krassesten Verwerfungen der sich rasant wandelnden polnischen Gesellschaft von der Generation der 30-jährigen Theatermache aufgegriffen wird.
Dem Festival «Polski Express» entstieg im Ber­liner HAU als erster Jan Klata, der aus Philip K. Dicks Cyberpunk-Roman «The Three Stigmata of Palmer Eldritch» (1964, dt. «LSD-Astronauten») eine düs­tere Revue destilliert hat. Das Betriebs­system ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der neue Orientalismus

Vorbemerkung

Ich kann mir kein geeigneteres Forum als dieses Bonner Festival vorstellen, um über alte und neue Blicke des Westens auf Indien nachzudenken. Schließlich begann Europa in Bonn, auch bekannt als Benares am Rhein, ein systematisches Wissen über Indien zu entwickeln. Und zur Biennale sind Hunderte von Indern nach Bonn gereist, um die Vielfalt und...

Im Zustand der Schmerzlosigkeit

Indien ist aus Sicht vieler Deutscher ein Masala aus Ashram, Ayurveda und Analphabetenquote, oder auch aus Chaos, Kasten, Computerexperten, kurz: ein Gemisch der Ungleich­zeitigkeit des Gleichzeitigen. Nicht nur die Entfernung sorgt für das Zerrbild: Indien ist ein ungeheuer komplexes Land mit fast einer Milliarde Menschen, knapp 20 offiziellen, angeblich 400...

Stippvisite im Paradies

Theater heuteWir haben hier um den Tisch vier Theater- und Festivalleiter versammelt – aus Kolum­bien, Russland, Pakistan und Südafrika. Sie haben 14 Tage lang auf Einladung des Goethe-Instituts die Aufführungen des diesjährigen Theatertreffens in Berlin sehen können. Wie erscheint die deutsche Theaterlandschaft dem fremden Blick? Welche Differenz nehmen Sie zum...