Leben ohne Schonbezug
Plötzlich die Sehnsucht nach Natur. Bäume sehen! Himmelfläche. Weidenfläche. Schmerzfläche. Lust. Hinaus ins Grün. Achtlos über Laub. Bis außer Atem. Grundlos lachen. Sich halbtot lachen. Aus dem Schlafwandel erwacht plötzlich merken: Ich bin schon zu weit gelaufen. Hunger und quälende Lust auf Kaffee und Butterbrot, eine Stärkung. Um mich herum nur die blöde Natur.
» In eine dicke Decke gehüllt sitzt Tine Rahel Völcker auf einem ausrangierten Zahnarztstuhl inmitten einer verschneiten Baustelle neben dem Theater und liest für eine Gruppe von Menschen, die sich unter Wärmepilze drängen. Es ist «Nacht der Poeten» am Nationaltheater Mannheim zu Ehren der diesjährigen Hausautorin, die sich mit einem Text über ihre Reaktionen auf das Leben in der lauten und bisweilen prolligen Industriestadt dem Publikum vorstellt.
An diesem unwirtlichen Ort, vor Kälte und Aufregung zitternd, wirkt die Autorin wie eine Figur aus ihren Stücken, hin- und hergerissen zwischen Verlorenheit und Mut der Verzweiflung, zwischen verschiedenen Lebensentwürfen, zwischen Sehnsucht nach einem festen sozialen System und zerstörerischem Ausbruchsimpuls. Die 1979 im Westberliner Stadtteil Reinickendorf geborene ...
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Was erwartet der Bühnenkünstler von der Theaterkritik? Und wem dient der Kritiker? Was helfen Hymnen und Verrisse? Und werden sie überhaupt gelesen? Wie verletzlich ist ein Schauspieler, und was lesen Kulturpolitiker? Wie sähe eine konstruktivere Kritik aus, und kann es dergleichen überhaupt geben?
Ein Gespräch über Theaterkritik mit dem Schauspieler Josef...
«Ich habe mich vor acht Wochen in Hamburg mit ‹Nachtasyl› beschäftigt, da habe ich über ‹Nachtasyl› nachgedacht, und vor einem halben Jahr habe ich mich mit ‹Macbeth› beschäftigt, da habe ich über ‹Macbeth› nachgedacht. Und im Moment mache ich wieder was anderes. Und das beschäftigt mich außer ein paar andere Sachen eigentlich den ganzen Tag.
Gleichzeitig habe ich...
Liebe ist eine bestimmte Art von Angewiesensein, mein sonderbarer Herr.» Mit diesem Anfang hatte die Autorin mich, einen männlichen Leser, für sich eingenommen. Eine diskretere Liebeserklärung war kaum vorstellbar, und ich folgte, wenn auch erst im dritten Anlauf, durch ihren Sprachstrom. Meine Hoffnung, nicht jeden Strudel, nicht jede steile Kurve zum Verlassen...
