Lazarus Adam

Kleist «Der zerbrochne Krug»

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Der Himmel setzte ein Zeichen. Kleists Dramen handeln ohnehin von einer höheren Ordnung, die menschliche Vernunft dumm aussehen lässt. Da mochte der Big Bang wohl passen. Just in dem Moment, da Dorfrichter Adam überführt wird und das Weite sucht, knallte ein Gewitter über dem Dach des Salz­lagers der Kokerei Zollverein. Das wars aber auch schon mit den himmlischen Mächten.

 

Hatte Andrea Breth 1990 in Wien noch in Kleists Lustspiel mit Flammenschwert und sakralem Orgelklang die metaphysische Dimension aufgedeckt und eine kosmische Katastrophe evoziert, ist nun in Essen zwar auch die Welt aus den Fugen, aber als real existierende Bürokratie. Wir sind ganz im Diesseits. Auf der Guckkastenbühne (Annette Murschetz) hat sich die überforderte Justiz eingerichtet. Der Überbau ist eingestürzt, übrig bleibt augenscheinlich der Stellenabbau. In einem gestopft vollen Archiv unter kaltem Neonlicht stapeln sich Akten auf Tischen und an den abblätternden schäbigen Wänden und quellen aus den Schränken. Im ausgelegten Stroh hat sich ein Ferkel eingerollt. Hier sieht jeder Halm aus, als sei er speziell gecastet für einen altmeisterlichen, bis ins Detail durchdachten Realismus, dessen Stallgeruch ...

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Theater heute November 2009
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Andreas Wilink

Vergriffen
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