Kulturen und Clashes

Ersan Mondtag entdeckt den deutschen Mittelstand in «Kaspar Hauser und Söhne», Yael Ronen führt die aufklärerische Vernunft in «A Walk on the Dark Side», und Dieudonné Niangounas «Phantom» sucht Afrika im Schwarzwald. Neue Stücke in Basel und Berlin

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Jeder für sich hat seine Eigenheiten, aber alle zusammen sind sie eine wirklich herzwärmende Urhorde: neun Menschlein, nackt und schamfrei in ausgepolsterten Body­suits mit dicken Bäuchen, hängenden Brüsten, kleinen Schrumpelpimmeln, schwabbelnden Fettpolstern, wie sie mit leicht eckigen Bewegungen, dabei recht gelenkig durch ihre Familienhöhle turnen. Sie sprechen ein wenig beschränkt mit altertümelnden Stummelsätzen, sind auch sonst nicht die Allerhellsten, aber sie scheinen fleißig und um Zusammenhalt bemüht.

Man hangelt sich mangels Treppen ein wenig affenartig durchs kinderbunte Knusperheim, schläft eng aneinandergekuschelt im Matratzenlager auf dem Dachboden und geht im Erdgeschoss handwerklichen Betätigungen zum Broterwerb nach. Übertriebene Gefühligkeiten sind überflüssig im Herdenverband. Vati vergewaltigt zwischendurch Mutti und prügelt Sohn windelweich, aber man kennt sich ja: ein Herz und eine Seele mit Geschäft. Alle paar Jahrzehnte ruckelt die ganze Mischpoche eine Generationenfolge weiter durch die Zeitläufte, ohne dass sich am Sippenverband viel ändert. 

Olga Bach hat ihr neues Stück «Kaspar Hauser und Söhne» erkennbar als Voraus- und Fortsetzung ihrer ...

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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen: Neue Stücke, Seite 28
von Franz Wille

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