Köln: Bio-Heroin von Bayer
Wer würde schon ein Interview mit Edward Snowden ablehnen? Es war der meistgesuchte Whistleblower der Welt höchstpersönlich, der Regisseurin Angela Richter kontaktierte, nachdem sie mit ihrer crossmedialen Inszenierung «Supernerds» über die Avantgarde der Netzaktivisten in Austin/Texas auf Gastspiel gewesen war. Das Gespräch mit ihm steht im Zentrum ihrer neuen Arbeit «Silk Road». Das Problem ist leider: Es füllt die Inszenierung nicht. Snowden hat keine großen Erkenntnisse anzubieten, er plaudert ein wenig über den Unterschied von Dark- und Deepweb und das Recht auf Privatsphäre.
Denn eben jene unermesslichen Anteile des Internets, die nicht über Google erreicht werden können – die Drogenstraße «Silk Road» ist nur ein kleiner Teil davon –, können Drogen- und Kinderpornohändlern ebenso nützen wie syrischen Untergrundkämpfern. Nur, dass die Verkäufer im Darknet sichtbar sind – und die Aktivisten alles dafür tun, um unsichtbar zu bleiben. Und insofern auch auf der Bühne leider nicht auftauchen werden.
Spannend wäre auch gewesen, zu hören, wie das Treffen mit Snowden verlief, doch nur der mitreisende Schauspieler Malte Sudermann erzählt frontal dem Publikum, wie er in einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Dorothea Marcus
Es war der Roman mit dem längsten Titel der Saison, und er wurde zur allgemeinen Überraschung mit dem sonst durchaus eher dem leichter Bekömmlichen zugeneigten Deutschen Buchpreis 2015 gekrönt: Frank Witzels «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969». Auf über 800 Seiten in mannigfaltigen Textsorten reflektiert,...
Plappern Pizzaschachteln plötzlich los, ist man unter Umständen in einem Theatertext des Schweizer Autors Lukas Linder. In Bonn jedenfalls ist das so. Dort spricht ein gewisser Franz aus einer Verpackungspappe, was eine gewisse Nelly dann doch ziemlich überrascht. Die Stimme aus dem Karton ist die ihres Zwillingsbruders. Komisch, gibt es den überhaupt noch? Ist der...
Wenn man sich die Jüngerinnen und Jünger des Orgiengurus Dionysos im Theater Basel so anschaut, könnte man fast auf einen neuen Wellness-Trend tippen. Das gegenseitige Einschlämmen mit optisch heilerdeähnlichen Substanzen nebst Kunstblut, das ein Grüppchen fleischfarbener Unterwäscheträger hier in einer eindrucksvollen Massenchoreografie zur begleitenden...
