Kleine Wolken, typische Scheiße
Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.
Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler, Büchermacher und Autor, kann man sich nicht auseinandersetzen, ohne dass es persönlich wird.
Roth, der – immer unterwegs zwischen verschiedenen Wohnungen und Häusern in Island, Deutschland und der Schweiz – zeitlebens ein ruheloser Solitär blieb, aber mit vielen Aktions- und Performance-Künstlern der Fluxus-Bewegung eng befreundet war, hat – ohne daraus wie manche von ihnen ein Programm zu machen – Kunst und Leben aufs Engste miteinander verschränkt und sich selbst zu seinem sensibelsten Instrument gemacht.
«Ich habe sonst noch niemanden kennengelernt, der sich so bewusst war, in welcher Situation oder in welcher Stimmung er ist», sagt sein langjähriger Verleger Hansjörg Mayer. «Er hat damit experimentiert. Wenn er in einer Hochstimmung war, hat er ganz bestimmte Dinge gemacht, und auch aus seinen tiefen Depressionen hat er immer ...
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Grazer Fußballfans gingen in diesem Herbst durch die Hölle: Ende Oktober musste der schwer verschuldete Verein Sturm Graz Konkurs anmelden – dabei spielte man noch vor ein paar Jahren in der Champions League. Grazer Theaterfans hingegen können sich über den Herbst nicht beklagen. Genauer gesagt: den Steirischen Herbst. Zwar war auch das traditionsreiche Festival...
Es begann mit zwei schmalen Erzählbänden, die Mitte der neunziger Jahre erschienen und sonderbare Titel trugen: «Der Elefant verschwindet» und «Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah». Die Bücher hielten, was ihre Titel versprachen. Sie handelten von jungen Menschen in Japan, die ebenso gut junge Menschen in Mitteleuropa hätten sein können,...
Im Anfang war «Die Zeit». Was meint: Die Theaterfeuilletons des Benjamin Henrichs. Während der Lokalzeitungskritiker bei den Premieren des schwäbischen Stadttheaters damals, Anfang der Achtziger, dicht vor der Rampe lauerte und das Gesehene hinterher buchhalterisch mit Daumenrauf-Daumenrunter-Bemerkungen versah, war dort, im überregionalen Wochenblatt, einer, der –...
