Kassel: Die Liebe der Androiden
Was wissen wir von dem, was wir erfinden? Was wissen wir über Alexa und Siri, über Sex-Bots und Reborn-Babies, über Pygmalions Venus und Frankensteins Monster? Woher wissen wir, dass sie, mit denen wir so viele Affekte und Wünsche verbinden, denen wir uns so zeitintensiv und zugewandt widmen, selbst keine Gefühle haben, kein Bewusstsein? In seiner Uraufführung «Odem» am Staatstheater Kassel dreht der junge Autor und Regisseur Wilke Weermann (Jahrgang 1992) den Spieß um.
Denn seine Protagonisten sind drei Androiden, die durch eine romantische künstliche Welt wandeln, umgetrieben von Einsamkeit und Sehnsucht. So untergräbt «Odem» hartnäckig die Grenzen zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz.
Schwerer Nebel wabert am Boden, die Bühne ist eine zweidimensionale bildhafte Landschaft: Wie ausgeschnitten stehen rote Silhouetten kahler Bäume und schiefer Kreuze, dahinter die ebenfalls rote Ruine einer Abtei mit gotischen Tür- und Fensterbögen (Bühne und Kostüm: Josa Marx). Hier lebt eine Nonne mit drei Androiden, die sich anfangs wie Gespenster aus dem Nebel erheben, um mit kantigen Bewegungen Gartenarbeiten zu verrichten, während die Nonne (Lona Culmer-Schellbach) mit einem ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Esther Boldt
Burkhard C. Kosminski macht gerne Hausbesuche. Schon ein gutes Dutzend Mal war der Schauspielintendant seit Amtsantritt zu Gast bei Stuttgartern. Kosminski hört gerne zu, und er redet gerne. Jeder kann ihn einladen. Einzige Bedingungen: 8–20 Leute. Essen und Trinken. Und es wird nicht über vormalige Stuttgarter Intendanten geschimpft.
Überhaupt wirkt der «Neue»...
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann...
Reduktion von Komplexität ist – wie der unvergessene Niklas Luhmann nicht müde wurde zu betonen – ein Überlebensmodus unserer Zeit mit der inhärenten Gefahr, durch unzulässige Vereinfachungen Kurzschlüsse zu produzieren. Auch ein Skizzenformat wie der Marstallplan, in dem das Residenztheater seit ein paar Jahren kurz geprobte, aber anspruchsvoll kuratierte...
