Kannibalen unter sich
Governance is a form of art», heißt es irgendwann in «No President», der jüngsten Produktion des New Yorker Nature Theater of Oklahoma, die auf der diesjährigen Ruhrtriennale uraufgeführt und vom Düsseldorfer Schauspielhaus koproduziert wurde. Dass Regieren eine Kunst ist, weiß auch Mikey, der Wachmann und ehemalige Schauspieler, der mit seinen Kollegen einer Sicherheitsfirma das geheimnisvolle Überbleibsel einer vergangenen Kultur, einen roten Theatervorhang, bewachen muss. Da geht es dem Wachpersonal in der Geschichte nicht anders als vielen Zuschauern in der Gladbecker Halle.
Sie kehren an ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurück, der inzwischen zu einem Museum geworden ist, und bestaunen die Kunst, mit der sie zumindest als Werktätige nichts mehr zu tun haben. In die ehemalige Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck hat Ansgar Prüwer ein klassisches Guckkastentheater hineingebaut, dessen roter Vorhang während des zweieinhalbstündigen pausenlosen Abends geschlossen bleibt. Gespielt wird durchweg auf der Vorderbühne, die links und rechts vor dem zerschlissenen Proszeniumsbogen von zwei Kulissen mit ihren Gassen für Auftritte und Abgänge flankiert wird.
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Theater heute November 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Gerald Siegmund
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen,...
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