Jugend mit und ohne Gott
Das Theater und die katholische Kirche haben vieles gemeinsam. Beide Institutionen versprechen moralischen Beistand und seelische Reinigung, beide haben trotzdem mit Publikumsschwund zu kämpfen. Während die Kirche dem aufgeklärten Bürger zu dogmatisch ist, verhält es sich mit dem Theater genau umgekehrt: Das «Anything Goes» der zeitgenössischen Bühnensprache wird von konservativen Theaterfreunden als Dekadenzerscheinung verteufelt.
In einer solchen Situation ist es ein interessanter Ansatz, wenn sich Theater und Kirche in der Mitte treffen.
Eine Woche vor Ostern hat das Berliner Maxim Gorki Theater die Stadt mit Plakaten für ein Stück namens «Die Gottlosen» zugepflastert, auf dem folgender Satz von Jean-Luc Godard zitiert wird: «Die Zeit ist derart bedürftig geworden, dass sie nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, das Fehlen Gottes als Fehlen zu erkennen.» Unter den Premierenbesuchern, die sich zu ungewöhnlich früher Stunde (Beginn 18 Uhr) vor dem Theater versammelt haben, befinden sich offensichtlich auch Menschen, die normalerweise eher die Kirche frequentieren. «Ich bin mit Schwester Lütgen hier!», verkündet einer. Ein anderer bedankt sich bei seinem Begleiter dafür, dass ...
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Wie jede gute Fabel lässt sich auch die des nun 50 Jahre alten «Besuchs der alten Dame» in zwei Sätzen wiedergeben. Als junge Frau wurde Klara Wäscher von ihrem Liebhaber geschwängert, in einem Vaterschaftsprozess gelinkt und ins Elend gestoßen. Jahrzehnte später kehrt sie als Claire Zachanassian ins Städtchen Güllen zurück und verspricht der bankrotten Gemeinde...
Der Verwaltungsrat der Zürcher Schauspielhaus AG sprach von bis zu dreißig ernstzunehmenden Bewerbungen für die künstlerische Direktion. In der Schweiz heißt der Posten offiziell nicht Intendanz, weil die höfische Tradition fehlt und damit auch dieser Begriff. Bedenkt man, wie wenig die Findungskommission in acht Monaten gefunden hat, darf man durchaus von feudalen...
