Jetz lenk nich ab!
Die Szene ist ein Restaurant am Abend. Draußen, vor dem großen Schaufenster, prügelt ein Mann auf eine Frau ein. Alle schauen hin – keiner macht was. Aber jeder sagt was anderes dazu. An elf Tischen verstummt für einen Moment die Unterhaltung, um dann das Ereignis zu bewerten oder eigenes Nichthandeln zu erklären. Da ist zum Beispiel die ältere Dame von auswärts, die sich indigniert abwendet und lieber auf den Banana-Split freut. Am Tisch von vier Jugendlichen hört man «voll Hartz IV» und «nimm mal auf!».
Während ein kleiner Junge laut ruft «Die kloppen sich!» und die Mutter ihm erklärt, warum der Papa da besser nicht hingeht. Bestimmt kommt ja sowieso gleich die Polizei und regelt alles – Verantwortungsdiffusion.
Diese Frage nach der Zivilcourage auf offener sozialer Bühne steht im Zentrum des Hörspiels «Ruhe 1» von Paul Plamper, der damit ein Stück ohne Script inszeniert hat. Entstanden sind die einzelnen Tischszenen nach dem Prinzip der gelenkten Improvisation. So kann Irm Hermann ihrer genervten Bekannten (Cristin König) von dem süßen Hundchen eines Obdachlosenzeitungsverkäufers in der U-Bahn vorschwärmen, während sie zugleich herrisch ablehnt, auf die Situation näher ...
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Dreimal genäht hält besser, mag sich Nina Ender gedacht haben, als sie den Alptraum des Wissens in gleich drei Fälle gebannt hat, die sie lebens- und erzähltechnisch aufwändig verknüpft. Die Französischlehrerin Paula hatte eine Spätabtreibung wegen einer Trisomie-21-Diagnose, die sie gehörig aus der psychischen Bahn wirft. Schlimm. Außerdem ist sie mit einem...
Allmählich ist es eine Frage wie beim Huhn und beim Ei: Wurden zuerst die neuen Stücke so kurz, dass man beschloss, sie in Festivals zusammenzupacken, oder wurden die Stücke wegen des wachsenden Festivalmarktes immer kürzer? Bei der zweiten Auflage der «Schlaglichter» am Staatstheater Karlsruhe jedenfalls brachten sieben Ur- und Erstaufführungen insgesamt eine...
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