In Watte gepackt
Umgekippte Autos steigen direkt aus der französischen Geschichte zu uns herauf. Das Foto eines auf dem Kopf liegenden Renault Dauphin gehört zu den Symbolen des Mai 68. Menschen konnten damals, so will es zumindest ein heute verbreiteter Mythos, ein letztes Mal ihre Geschichte in die Hand nehmen. Sie taten das, indem sie den Dauphin, das Auto des kleinen Mannes, Sinnbild der Klassenversöhnung, unbrauchbar machten, entzauberten: wie einen hilflosen Käfer zu einem elenden Tod verurteilten.
Auch bei Philippe Quesnes «Big Bang» schält sich nach einer Weile aus einem zuerst durch Verpackung und Bedeckung unkenntlichen Objekt ein auf dem Dach liegendes Auto heraus.
Doch dieser umgekippte Citroën verweist nicht auf Geschichte. Zum einen beginnt mit ihm etwas viel Größeres, eine Paraphrase von Vorgängen planetarischen, nicht historischen Ausmaßes. Zum anderen hat er eine ganz kleine, eher private Bedeutung: Er stammt nämlich noch aus dem letzten Stück. Denn das ist wohl ein Prinzip Quesnes, dass die Requisiten wie Cliffhanger in die nächste Episode reinragen, wo sie dann zärtlich wieder ausgepackt werden. Alles andere an «Big Bang», so einer, der die Generalprobe gesehen hat, hatte sich ...
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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 40
von Diedrich Diederichsen
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