Nach oben durchs Cumberlandsche Treppenhaus: Sarah Franke (Eine Aktivistin), Maximilian Grünewald (Der verlorene Mann) und Hagen Oechel (Ein seltsamer Mann) in Alexander Eisenachs Beitrag zur zehnteiligen Hannover-Serie. Foto: Isabel Winarsch/Theater Hannover
Imitiation of Pop
Es ist allemal verständlich, dass das Theater mit Neid nach dem Serien-Fernsehen linst. Die großen Mythen, die Familiensagen und Milieustudien sind erfolgreich an die Home Box Office abgewandert. Selbst die Shakespearesche Polit-Intrige Marke «Richard III.» feiert mit «House of Cards» telegen fröhliche Urständ. Nur zu gern möchte die Bühne Raum zurückgewinnen.
Am Schauspiel Essen hat sich in der letzten Spielzeit ein Autorenteam zusammengeschlossen, um mit «Das Prinzip Jago» einen Medienthriller im Geiste amerikanischer «Writers’ Room»-Serien zu schmieden. Woraus eine ziemlich kolportagehafte Reporter-Pistole wurde. Aber warum sollte Theater nicht auch auf dicke Hose machen?
Am Schauspiel Hannover verbinden sich in dieser Spielzeit mehrere junge, tendenziell wilde oder zumindest als äußerst spielfreudig bekannte Regisseure, um in einer zehnteiligen Theaterserie von ökonomischem Strebertum zu erzählen: «Eine Stadt will nach oben». Gordon Kämmerer, Martin Laberenz und Lucia Bihler übernehmen je zwei Teile. Den Auftakt mit Folge 1 und 2 macht Alexander Eisenach. Der Plot des Theaterreigens ist lose an Hans Falladas schon 1978 in epischer Breite verfilmten Roman «Ein Mann will nach ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christian Rakow
Neuanfänge in Berlin und Frankfurt: Am BE beginnt Oliver Reese mit betont solidem Ensemble-Theater, in Frankfurt übernimmt Anselm Weber, und in Dresden richtet sich nach einem Interimsjahr Joachim Klement mit seinem Team ein.
Polens Kulturszene versucht, sich der Erpressungen durch die nationalistische PIS-Regierung zu erwehren: Schlaglichter vom Posener Malta-Fest...
Am 27. und 28. Juni 2015 schrieb Jan Fabre Theatergeschichte. Damals brachte der belgische Allroundkünstler beim Berliner Festival Foreign Affairs die 24-stündige Performance «Mount Olympus» zur Uraufführung (TH 6 und 8-9/15), in der er fast alle griechischen Tragödien auf einmal inszenierte, um so die in die Jahre gekommene Katharsis neu zu beleben. Die...
Ein warmer Abend im Spätsommerlicht. Der Park an der Ilm hat sich geleert, ein paar junge Leute lümmeln noch auf den Wiesen. Auf meinen Ohren liegt der Soundtrack von Schritten, die unweigerlich mein Tempo bestimmen. «Du nimmst den linken Weg», sagt eine Männerstimme, «sieh dich nicht um, du Ratte.» Sie lotst mich von einer Blackbox, in der ein rätselhafter...
