Im Selbsttäuschungsrausch
Chapeau: Die provinzielle Elite sieht noch schlechter aus als erwartet. Vom Schulrat, der ausschließlich verhaltensauffällige Pädagogen beschäftigt, über den Kreisarzt, der der Landessprache nicht mächtig ist, bis zum Richter, der sich hier mit «Windspielen» bestechen lässt, warten die städtischen Regierungsorgane im mehltaufarbenen Einheitslook auf. Der grünliche Lichtkegel beseitigt auch den letzten Zweifel, dass dieses Zombie-Kabinett über die Dienstjahre hinweg kontinuierlich Schimmel angesetzt hat.
Jetzt sind die prächtig blühenden Fäulniskulturen und Korruptionssümpfe allerdings in akuter Enthüllungsgefahr, da – wie es Nikolaj Gogols gleichnamiger Komödienklassiker bekanntlich will – ein «Revisor» das Städtchen heimzusuchen droht. Inkognito, versteht sich.
Während die Nachricht beim Gros der Würdenträger höchst stimulierend auf die Darmperistaltik zu wirken scheint (man verrenkt sich jedenfalls kollektiv in schwer mitleiderregenden Stuhlverhaltungschoreografien), glauben die Gutsbesitzer Dobtschinskij und Bobtschinskij – eine Art personifizierte zaristische Yellow-press-Antizipation –, das Prüfungsorgan beim jüngsten Wirtshausbesuch bereits entdeckt zu haben; und zwar im ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christine Wahl
Man nehme eine überschaubare Anzahl von Figuren, typisiere sie so weit, dass sie eine genügend große Gruppe von Menschen abdecken, individualisiere sie so stark, wie zur Glaubhaftigkeit nötig: Auf dieses bewährte Muster greift Lutz Hübner mit «Richtfest» zurück. Man setze diese Figuren in eine gemeinsame Situation und hetze sie aufeinander. Die Lösung der...
Wie humorlos. Eine «Machtdemonstration der ganz zynischen Art» sieht die gutbürgerliche «Neue Zürcher Zeitung» in Klaus Wowereits hartnäckigem Festhalten am Berliner Bürgermeisterstuhl, obwohl er doch als Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft die Verantwortung für milliardenschwere Fehlplanungen trägt. Gar «Schlawinerhaftigkeit, Selbstüberschätzung...
Wir brauchen Schauspieler, die auf dem Scheiterhaufen brennen wollen und über die Flammen lachen. Antonin Artaud
Woran erkennt man einen großen Künstler, einen großen Schauspieler?
Ein großer Schauspieler gibt und nimmt. Er teilt sich selber mit dem Publikum. Dieses Teilen ist keine Option, es ist eine Notwendigkeit. Der Schauspieler öffnet sich, seinen Körper,...
