Im Schillerland
Ohne Schiller geht in Rudolstadt gar nichts. Abbruchreife Häuser haben «schillernde Fassaden»: Da hocken in alten Fenstern die Schatten der Dramenfiguren und typografisch wird das bröckelnde Gemäuer mit Zeilen aus der «Bürgschaft» oder dem «Wallenstein» aufgepeppt, als könnte die Dichtung hier die Wahrheit des Zerfalls aufhalten. An jeder zweiten Ecke lockt auf einem Wegweiser Schillers Lockenkopf zum Wanderpfad durch die thüringische Umgebung und auf die Spuren des Dichters, der einst hier lief, schrieb und liebte.
Man kann sich einem «Liebesbriefboten» anschließen, der alles über die Affären Schillers ausplappert; man kann auf die «Schillerhöhe» steigen und hinunterschauen in die liebliche Landschaft oder am Marktplatz rasten und hinaufschauen zur Heidecksburg, dem «weißen, großen Schloss auf dem Berge». Man kann Schiller rundum zustimmen, ihm, der auf der Flucht aus Stuttgart hier in dieser fremden Gegend ankam und sie «außerordentlich schön» fand.
Die Rudolstädter sind deshalb stolz auf «ihren» Dichter, wenngleich der nur kurz bei ihnen weilte. Als er wieder ging, 1788, schrieb er: «Mein Abzug aus Rudolstadt ist mir in der That schwer geworden ... Bei einem geistvollen Umgang, ...
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