Im Mausoleum der Gemütlichkeit
Ihren größten Trumpf spielten die Wiener Festwochen 2009 erst zum Schluss aus. Die letzte Produktion des Festivals war als erste ausverkauft gewesen und auch von Menschen mit Spannung erwartet worden, die nicht zum engeren Kreis der Theaterinteressierten gehören. Wien fieberte der Weltpremiere einer «Othello»-Inszenierung von Peter Sellars entgegen. Warum, ist leicht erklärt: Als Jago stand Philip Seymour Hoffman auf der Besetzungsliste.
Weißer Außenseiter Jago?
Der auf die Darstellung verklemmter Nerds spezialisierte Filmstar ist für die Rolle keine schlechte Wahl; auch Jago ist ja nicht unbedingt ein Mensch, der sich wohlfühlt in seiner Haut. Hoffman legt ihn als gedemütigten, dumpfen Brüter an, der aus seiner kriminellen Energie keine Lust gewinnt, eher im Gegenteil. Hoffman trägt schwer an der Last seiner Bosheit. Den massigen Körper schleppt er etwas gebückt über die Bühne, den massenhaften Text nuschelt er mit starkem amerikanischen Akzent aus sich heraus (wobei ihm bei der Premiere zwei Mal die Souffleuse auf die Sprünge helfen musste).
Es ist ein schwer analysierbarer Cocktail aus Neid und Frustration, Minderwertigkeitskomplexen und Machtfantasien, der Jago zu seiner ...
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