Im Liebesknochen war Gift

Andreas Kleinerts Schauspielerfilm «Freischwimmer»

Theater heute - Logo

 

Wenn man sich das deutsche Kino als ein Wirtschaftssystem vorstellt, mit verschiedenen Branchen, dann wäre der Regisseur Andreas Kleinert ein Vertreter der Schwerindustrie; Verhüttung, schweres Gerät und hohe Temperaturen.

Seine Filme handeln von Außenseitern, die ihr Außenseitertum mit aller Macht behaupten: Der Wendeverlierer Walter etwa, den Hilmar Thate in Kleinerts tiefschwarzweißem Film «Wege in die Nacht» von 1999 spielt, kotzt die Erfahrung, nicht mehr gebraucht zu werden, der neuen Zeit höchst larmoyant vor ihre blankpolierten Fassaden.

Und natürlich war Walter Direktor eines Bergbaukombinats.

Für seinen neuen Film hat Kleinert nun den Industriezweig gewechselt. «Freischwimmer» spielt zwar in einem beschaulichen Erzgebirgsdorf, aber von rußigem Bergbau keine Spur: Satt leuchten die Farben, der Tourismus blüht, wenn man der unkonventionell gewandeten Reisegruppe Glauben schenken darf, und ansonsten dominiert der Einzelhandel.

Anita Bartsch (Dagmar Manzel) betreibt eine Apotheke, der namenlose Bäcker versorgt Jung und Alt mit Eclairs, auch Liebesknochen genannt, und irgendwo dazwischen liegt das Problem: Der beste Schwimmer der örtlichen Schule und zugleich der Freund der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2008
Rubrik: DVD, Seite 61
von Matthias Dell

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unsittengemälde

Es ist ein Kleinod, dieses Pumpenhaus am nördlichen Rand des Münsteraner Stadtzentrums. Regelmäßig bespielt von Jugend- und Amateurtheatern und offen für Tanz, Konzerte und Lesungen, präsentiert es etwa im Quartalstakt Geheimtipps der Indie-Kunst – von Howe Gelb (Singer&Songwriter) bis andcompany&Co. (Space-Theater). Im Februar gastierte auf der gut 140 Plätze...

Straßentheater

Nein, besonders interessiert hätten Kinder sie nie, hat Helen Levitt einmal zu Protokoll gegeben. «Sie waren einfach da, auf der Straße.» Einfach da: So unsentimental bringt die große alte Dame der amerikanischen Fotografie ihre Arbeit auf den Punkt. Eine Arbeit über fünf Jahrzehnte mit einem ungewöhnlich schmalen, aber scharfen Fokus: Abgesehen von den Erträgen...

Quickies mit Marx

Nachdem schon die Bühnenversion mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, erhält nun das Hörspiel «Karl Marx: Das Kapital, Band I» von Helgard Haug und Daniel Wetzel den bedeutendsten deutschen Hörspielpreis. Eine Diskussion, ob das ein nach­spielbares Stück sei, wie Kritiker zur Mülhei-mer Entscheidung anmerkten, wird es in diesem Fall aber wohl nicht...