Im Dschungel von gestern

Arthur Miller «Tod eines Handlungsreisenden»

Theater heute - Logo

Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa und Sessel vor dem Fernseher, dahinter, die ganze imaginäre Restwohnung füllend, der Wald.
Für die Befindlichkeit des Handlungsreisenden Willy Loman ist das ein großartiges Bild. Es ist der Dschungel in seinem Kopf.

Der afrikanische Dschungel, in dem sein viel bewunderter Bruder Ben mit neunzehn Jahren angeblich verschwand und aus dem er mit einundzwanzig als reicher Mann wieder hervorkam. Es ist der Dschungel von Lomans verwachsenen und überwucherten, verdrängten und irgendwann verschwundenen Gefühlen. Der Dschungel, in dem er längst seine Frau und seine Söhne verloren hat und jetzt auch noch seinen Job. Es hätte im Stück auch «Wüste» heißen können, dann hätte Katrin Brack mit ähnlichem Effekt wahrscheinlich Sand geschippt.
An der Bühne also liegt es nicht. Vielleicht daran, dass diese Inszenierung ein deutsches Remake ist? ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2006
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Petra Kohse

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kiez-Comedy vom echten Leben

Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Foto­tapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aus­sehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben...

Die Generalin

Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen...

Dannys Bombe

Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Di­dak­tisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...