Identitäts- und andere Konstruktionen
Das Melodram ist so etwas wie das verstoßene Kind der Filmgeschichte. Einstmals ganz nah am Herzen, ist es irgendwann in Ungnade gefallen. Heute schämt man sich fast ein bisschen, wenn man an all die Tränen denkt, die man wegen der alten Familiengeschichten vergossen hat.
Wenn in Thiemo Strutzenbergers Stück «Hunde Gottes» das Genre des Melodrams wieder aufgewärmt wird, dann ist das weniger eine Rehabilitation als das Spiel mit einer Form, die uns zwar fremd geworden ist – aber trotzdem keine Erklärung braucht.
Eine ehemalige Schauspielerin gesteht ihrem Sohn, dass sein Vater nicht sein wirklicher Vater ist. Der Gärtner ist es. Der Vater wiederum beichtet, dass er bis heute von den Zerrbildern des Krieges heimgesucht wird.
Die Geständnisse, die normalerweise das Ende eines Melodrams markieren, stehen am Anfang von Strutzenbergers gefinkeltem Stück. Gerade einmal zehn Minuten sind auf der Bühne des Wiener Schauspielhaus gespielt, und schon haben Betty und Dante Alighieri ihr Herz erleichtert. Die beiden leben zwar irgendwann in den 1950er Jahren an der amerikanischen Ostküste, ihre Namen verweisen aber in eine ganz andere Epoche: jene der italienischen Frührenaissance. So simpel ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Wien Schauspielhaus, Seite 60
von Stephan Hilpold
An der Bar gibt es die «Marathontüte»: Wenigstens physisch soll man mit Brezel, Corny-Riegel und Softdrink frugal, aber heil durch den Abend kommen. Es darf geknistert werden. Der Zuschauerraum ist bei der zweiten Stuttgarter Aufführung schon zu Beginn nicht mal zu zwei Dritteln gefüllt. Seit der Recklinghauser Premiere im Mai bei den Ruhrfestspielen muss es sich...
Die Männer könnten aus dem Krieg heimkehren, stattdessen legen sie einen Zwischenstopp ein. Prinz Pedro und seine Begleiter sind zu Gast beim Gouverneur von Messina, wo es nach einem Maskenball um nicht weniger als Liebe, Intrige und Verwirrung geht. Der Prinz wirbt für seinen Vertrauten Claudio um die Hand der Gouverneurstochter. Alles funktionierte wie...
Daraus hätte was werden können: Zwei ökonomische Global Player, die Volksrepublik China und der Volkswagenkonzern, haben eine gemeinsame Geschichte, und diese Geschichte wird in Szene gesetzt von einem künstlerischen Global Player, Stefan Kaegi, einem der klugen Köpfe des international gefeierten Dokumentaristen-Kollektivs Rimini Protokoll.
Kaegi ist nach China...
