Ich ist ein Arschloch
Ich bin auch nur ein Arschloch», outete sich Milo Rau unlängst in der Schweizer «Sonntagszeitung». Der Grund, in Kürze: Unser aller eurozentristische Betroffenheitskultur – vulgo: Mitleid – angesichts der weltpolitischen Lage verschiebe real zu führende Debatten in symbolische Entlastungsräume und mache uns somit zu «zynischen Humanisten».
Knackige, aber korrekte Analyse also – zu der «Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs» in der Berliner Schaubühne jetzt sozusagen der Theaterabend ist.
Im Zentrum steht, im gediegenen blauen Strickminikleid, die Schauspielerin Ursina Lardi – und zwar als punktuell an der eigenen Biografie entlang gestrickte Kunstfigur Lardi, welche erst mal ihre produktionsvorbereitende Recherchereise auf der Refugee-Route referiert und bei dieser Gelegenheit auf «klimatisierte Busse» zu sprechen kommt, die sie in einem Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze beobachtet habe und die ihrer Meinung nach aufgrund des «Hipster»-Faktors der Insassen «direkt aus Berlin oder Paris» kommen könnten. Das, so fragt die Kunstfigur Lardi sich – und uns – rhetorisch, solle «die größte humanitäre Katastrophe des Jahrhunderts» sein?
An diesem Punkt kommt ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
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